Goethe-Gesellschaft-Eisenach e.V.
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„Wir wissen gar nicht, was wir Luthern und der Reformation im Allgemeinen alles zu danken haben.“  J.W.von Goethe am 11. März 1832 im Gespräch mit Eckermann

Publikationen

der Goethe-Gesellschaft Eisenach e.V.

1. Goethe erstmals in Eisenach

von Volkmar Schumann

Um die schönen Künste zu studieren wollte Wolfgang Goethe eigentlich nach

Göttingen, doch der auf einen soliden Beruf, mit dem man sein Brot verdienen könnte,

bedachte Vater bestimmte für seinen Sohn die Leipziger Universität. Dort hatte er

selbst die Rechte studiert und der Sohn sollte den gleichen Weg gehen. Deshalb

bestieg der Sechzehnjährige an einem der letzten Septembertage des Jahres 1765

frühmorgens die Postkutsche, in der er mit dem Buchhändler Johann Georg Fleischer

und seiner Frau auf die weite Reise nach Leipzig geschickt wurde.

Den Postillonen der Thurn- und Taxischen Post forderten die schlechten,

ungepflasterten Straßen und Wege großes fahrerisches Geschick beim Lenken der

schweren Postkutsche ab. Zudem mussten sie sich oft mit den Posthaltern wegen

des Fütterns und Tränkens oder des Wechselns der Pferde streiten. Frachtwagen,

Kutschen und Reiter behinderten unterwegs die zügige Fahrt.

Am 1. Oktober 1765 spätabends fuhr die Postkutsche durch das Eisenacher

Georgentor bis in die Schmelzerstraße, wo sich damals die Posthalterei befand. Der

junge Wolfgang beabsichtigte, bei dieser Rast einen Bekannten zu begrüßen. Johann

Christian Molter war nach abgeschlossenem Theologiestudium fünf Jahre als

Hauslehrer in Frankfurt tätig gewesen und hatte den mit ersten Jugenddichtungen

bereits hervor getretenen vierzehn Jahre jüngeren Goethesohn offenbar im Kreis

seiner Jugendfreunde kennen gelernt. Er erbat sich von ihm einen Vers in sein

Stammbuch und Wolfgang schrieb: „Der Tod beendet alles.“ Dieses schrieb zu

seinem ewigen Gedenken JWGoethe. Dieser Stammbucheintrag ist eines der

wenigen schriftlichen Zeugnisse des 14jährigen Goethe und deshalb von

herausragender literaturgeschichtlicher Bedeutung.

Zu mitternächtlicher Stunde, als die Reisenden in der Posthalterei eintrafen, war es

nicht mehr möglich, den cand. theol. Christian Molter zu treffen. Molter stammte aus

Helmershausen bei Meiningen, hatte in Jena studiert und wartete nach seiner

Hauslehrerzeit in Frankfurt nunmehr auf ein Pfarramt in Eisenach. Mit diesem wurde

er ein Jahr später in Farnroda betraut. Dort wirkte er 25 Jahre lang treu und

hingebungsvoll, hoch verehrt von seiner Gemeinde.

Aus Leipzig schrieb Wolfgang Goethe an seine Schwester Cornelia, dass er „nachts

um 12 durch Eisenach gekommen“ sei und er „hätte das Vergnügen nicht haben

können ihn [Molter]zu sehen“. Das war Goethes erster Aufenthalt in Eisenach sowie

seine erste Erwähnung unserer Stadt.

2. Goethes erster und längster Aufenthalt in Eisenach

von Volkmar Schumann

Seit November 1775 lebte Goethe auf Einladung des Herzogs Carl August in Weimar.

Als Geheimer Legationsrat und jüngstes Mitglied des Geheimen Consiliums kam er

Anfang September 1777 im Gefolge des Herzogs erstmals für längere Zeit nach

Eisenach, um an Beratungen mit dem Landausschuß teilzunehmen. Es ging darin um

die Neuordnung des Finanzwesens mit Herabsetzung von Schuldzinsen; um die

Veränderung von Steuern, die weitere Finanzmittel für die herzogliche Kasse

erbringen sollte; es ging aber auch um die Abschaffung der demütigenden

Kirchenbuße, die schwangeren ledigen Mädchen auferlegt war.

Die langwierigen, nicht einfachen Verhandlungen darüber mit den adligen

ritterschaftlichen Deputierten aus Mihla, Krauthausen, Lauchröden, Stedtfeld,

Wenigenlupnitz und Unterellen und mit den bürgerlichen Oberen der Städte Eisenach,

Creuzburg und Ostheim wurden begleitet und aufgelockert durch gesellige

Veranstaltungen des herzoglichen Hofes im Schloß sowie der Eisenacher

Bürgerschaft in der Clemda, dem Gesellschaftshaus mit Orangerie und Lustgarten,

mit Teichen und Wasserkünsten an der nördlichen Stadtmauer.

Goethe beteiligte sich, tanzte „von 6 bis  morgens 3“, stahl sich aber auch davon, um

am Jakobsplan, beim Vizekanzler Ludwig von Bechtolsheim und seiner charmanten

25jährigen Frau Julie ruhigere Stunden zu verbringen.

Im Schloß störte ihn das unruhige höfische Treiben. Zudem hatte man ihm im

Nordflügel ein Zimmer zugewiesen, das in diesen Septembertagen kalt und unwirtlich

war. Gern nahm er deshalb das Angebot des Herzogs an, auf die Wartburg hinauf zu

ziehen. Dort gab es zwar nur verfallene, schadhafte Gebäude, die für verschiedene

Zwecke genutzt wurden, doch im Torhaus fand sich ein Raum für ihn. Das Erlebnis

der umgebenden Natur beflügelte seine dichterische Phantasie und erhob ihn über

die unerquicklichen pflichtmäßigen Beratungen unten in der Stadt. „Die Gegend ist

überherrlich ...“ schreibt er an Charlotte von Stein „... Diese Wohnung ist das 

Herrlichste was ich erlebt habe.“  Er wendet sich dichterischen Einfällen zu und

entwirft eine „komische Oper, so toll und grob als möglich“, die später unter dem Titel

Triumph der Empfindsamkeit bekannt wird. Er durchstreift die bergige und felsige

Umgebung der Burg, zeichnet sie mehrmals von verschiedenen Standpunkten aus,

sucht und erkundet die sagenumwobene Klufthöhle ‚Verfluchtes Jungfernloch’, er

vergleicht die frei stehenden Felsen ‚Mönch und Nonne’ mit der von Christoph Martin

Wieland dichterisch gestalteten Legende ‚Sixt und Klärchen’.

Auf der Burg besuchen ihn die jungen Damen aus dem Eisenacher Bürgertum, die er

beim Tanz in der Clemda kennen gelernt hat: “Sie versichern mir alle, dass sie mich

lieb haben, und ich versichere sie, sie seien charmant ...“. Für eine interessiert er sich

besonders: Viktoria Streiber aus der Judengasse [seit 1825 Karlstraße]. Sie ist die

20jährige hübsche Tochter des Kaufmanns, Bankiers und Fabrikanten Johann Lorenz

Streiber und seiner Frau Sophie, einer Cousine Klopstocks. Mit Viktoria geht er

mehrmals spazieren, trifft sie im Elternhaus und bei Bechtolsheims. Bald wird in den

Hofkreisen gemunkelt, Goethe hätte sich verlobt.

Aus Darmstadt besucht ihn der befreundete Schriftsteller und Kritiker Johann Heinrich

Merck auf der Burg, mit dem er durch die Landgrafenschlucht nach Wilhelmsthal

wandert. Dort wird Merck dem Herzog Carl August vorgestellt und zwischen beiden

entsteht eine jahrelange Vertrautheit. Der Herzog, Goethe und Merck reiten nach

Ruhla, dem neben Apolda  bedeutendsten Industrieort des Herzogtums, der jedoch

vom Erbstrom geteilt ist und aus einem gothaischen und weimarischen Anteil besteht.

Nicht nur die Manufakturen der Messerschmiede und Tabakpfeifenmacher ließen den

Ort weit über die Grenzen des Herzogtums hinaus bekannt werden, auch Anmut und

Schönheit der Ruhlaer Mädchen trugen dazu bei. Die drei hochrangigen Besucher

vergnügten sich mit ihnen bei Spiel und Tanz.

Beim Vizekanzler von Bechtolsheim trifft Goethe den kurmainzischen Statthalter von

Erfurt,

Karl Theodor von Dalberg, der enge Kontakte zum weimarischen Hof pflegt und er

lernt dort den weltmännischen Baron Friedrich Melchior von Grimm kennen, der als

gothaischer Minister, Journalist und Schriftsteller europaweit für die Verbreitung

französischer Literatur und Nachrichten sorgt.

Mehrmals war Goethe in diesen Herbstwochen im nahe gelegenen Wilhelmsthal.

Schloß und Park waren bereits in den Jahren 1710 bis 1715 als Sommerresidenz der

Eisenacher Herzöge entstanden, jedoch wegen mangelnder Pflege seit 1748 mehr

und mehr verwahrlost und als Carl August sich angesagt hatte, mussten zunächst die

Gebäude wohnlich hergerichtet, eine Kegelbahn und ein Scheibenschießstand erbaut

werden. Aus Weimar kamen Prinz Constantin und sein Erzieher Karl Ludwig Knebel

dahin zu Besuch, mit ihnen streift Goethe durch die waldreiche, felsige Umgebung.

Der Oberforstmeister Friedrich von Witzleben begleitet ihn auf einem Ritt bis zur

Ottowaldwiese auf den Kamm des Thüringer Waldes und Goethe  berichtet auch von

einem abendlichen Ausflug mit dem Pirschknecht Wenzing im Umkreis der ‚Hohen

Sonne’: „Sah drei Stück Wild, hörte den Hirsch nur wenig rufen in den Wänden

gegenüber.“

Häufig ist er in diesen Wochen bei Bechtolsheims am Jakobsplan, übernachtet gar

dort, wenn es zu spät ist, durch den Steinweg auf die Burg hinauf zu steigen.

Bei einem Vogelschießen vor dem Nikolaitor erlebt er, wie leider ein junger Mann

durch einen Fehlschuß ums Leben kommt. Der Fabrikant Streiber zeigt dem Herzog,

Goethe und Knebel seine Textilmanufakturen und die Färberei. Am letzten Tag des

fünfwöchigen Aufenthalts in Eisenach sitzt Goethe nach einer armseligen Parade der

wenigen und überalterten Soldaten zum Mittag mit dem sächsischen General Volpert

Christian Riedesel aus Neuenhof an der Hoftafel.

Zu Pferd verließ Goethe am 10. Oktober 1777  mit Rittmeister Friedrich Wilhelm von

Lichtenberg die Stadt: „Früh fünfe weg ...“

3. Ein kurzer Besuch Goethes in Eisenach

von Volkmar Schumann

Eine der ersten Amtshandlungen des jungen Herzogs Carl August in Weimar war, die

Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus in Ilmenau zu betreiben. Er gründete

dazu eine Bergwerkskommission, der ab November 1777 neben Kammerpräsident

Alexander von Kalb und Hofrat Dr. Eckardt nunmehr auch der Geheime Legationsrat

Wolfgang Goethe angehörte.

Mit Begeisterung nahm Goethe seine Arbeit auf, doch er fühlte, dass ihm fachliche

Kenntnisse fehlten. Eigentlich soll er an einer „... Jagdpartie auf wilde Schweine,

notgedrungen auf das häufige Klagen des Landvolks ...“ im eisenachischen

Landesteil teilnehmen, doch dazu verspürt er keine Lust. Mit Erlaubnis des Herzogs

bereitet er trotz des Winters einen Ritt in den Harz vor.

Dort will er „ ... vor allen Dingen das Bergwesen in seinem ganzen Komplex mit

Augen [zu] sehen ...“ . Carl August ritt mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Prinz

Constantin, dem befreundeten Kammerherrn Moritz von Wedel und dem

Prinzenerzieher Karl Ludwig von Knebel zur Jagd nach  Marksuhl. Danach verließ

auch Goethe am 29. November 1777 Weimar.

Zwei Wochen war er inkognito unterwegs. Er verbringt einen ganzen Tag in der

Baumannshöhle und „ ... betrachtete das fortwirkende Naturereignis ganz genau ...“.

In Goslar fährt er in das Erzbergwerk Rammelsberg ein, besucht die Hüttenwerke an

der Oker,

fährt in Clausthal in drei Gruben ein, steigt von Altenau zum Torfhaus hinauf und

überredet dort den Förster Christoph Degen, ihn trotz des tiefen verharschten

Schnees auf den Brocken zu führen. Überglücklich steht er am 10. Dezember mittags

auf dem Brockengipfel und genießt bei heiterem Wetter den Blick über Wolken und

Nebelschwaden. Zwei Tage später fährt er in St. Andreasberg in die Erzgrube

Samson ein und steigt bis auf  810 Meter ab. Den Erwerb bergbautechnischer

Kenntnisse beendet er in Lauterberg mit der Besichtigung einer Eisenhütte,

Eisengießerei und Drahtzieherei.

Bei Kälte und über gefrorene Wege kam er von Mühlhausen am 15. Dezember 1777

in Eisenach an. Im Schloß traf er den Herzog und die Jagdgesellschaft. Ein

Engländer, Mr. Simson, führte offenbar waghalsige Reitkünste vor. Goethe ging die

wenigen Schritte zu Bechtolsheims am Jakobsplan und wurde von ihnen zum Essen

eingeladen. Abends erzählte er ausführlich im Kreis des Herzogs, des Prinzen,

Wedels und Knebels von seinen Abenteuern im Harz. Knebel stellte fest, dass in

Goethe durch die erlebte Abgeschiedenheit  „ ... eine wunderbare Auflösung des

Herzens“ bewirkt worden sei. „Nachts 2“  fuhren Goethe, Prinz Konstantin und Knebel

nach Weimar ab, wo sie mittags eintrafen.

4. Goethe erneut auf der Wartburg

von Volkmar Schumann

Im September 1778 zog es Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach zum

Jagen nach Wilhelmsthal. Goethe sollte daran teilnehmen und dazu traf er am

Donnerstag, 10. September abends in Eisenach ein, wo er ganz allein mit einem

Diener im großen, leeren Schloß übernachtete. Er scheint sich fast gefürchtet zu

haben, denn er fühlte sich wie ein Gespenst. Am nächsten Tag ritt er nach

Wilhelmsthal, dort graute ihm aber vor dem lärmenden Treiben der herzoglichen

Jagdgesellschaft. Mit Prinz Constantin begab er sich deshalb auf die Wartburg, wo die

beiden das Wochenende verbrachten und „viele Drollerey“ zusammen hatten. Goethe

schreibt an Charlotte von Stein von „bösem Wetter“ und dass er trotzdem in den

Felsen umhergestiegen sei. Als Jagdgäste hatte Carl August die ihm etwa

gleichaltrigen Herzöge von Meiningen Karl August und Georg, von Gotha Ernst II.

Ludwig und den etwas älteren von Coburg-Saalfeld Ernst Friedrich eingeladen. Daß

er mit diesen fünf Herzögen nicht die „beste Conversation“ machen könne, lässt

Goethe in seinem Brief durchblicken und auch, dass das Jagen “schweinisch“ werden

würde. Ob er damit das Erlegen von Wildschweinen meinte, oder damit seine

Abneigung gegen das herrschaftliche Jagdvergnügen überhaupt umschrieb, bleibt für

uns offen. Obwohl der junge Wolfgang wahrscheinlich schon in Frankfurt mit der Jagd

vertraut geworden war, nahm er erst in der Gesellschaft von Carl August an Hasen-

und Wildschweinjagden teil. Dabei war ihm jedoch manches zuwider und von den

Exzessen der Jagd hielt er sich gern fern.

Es drängte ihn deshalb mehr in die Stadt zum Besuch bei der Kaufmannsfamilie

Streiber in der Judengasse [ab 1825 Karlstraße], wo er Viktoria wiedersah. Am 17.

September stieg er noch einmal zur Wartburg hinauf, um dort zu essen. Abends

besuchte er eine „Comödie“, eine Theateraufführung, wahrscheinlich im

Gesellschaftshaus Clemda. Ob er Viktoria Streiber dahin führte, wissen wir nicht.

Goethe hatte eine abwechslungsreiche Woche ohne die Last seiner Amtsgeschäfte in

der Eisenacher Umgebung und auf der Wartburg verlebt, freitags ging es „Zurück

nach Weimar“.

5. Mit unbekanntem Reiseziel nach Eisenach

von Volkmar Schumann

Was Herzog Carl August bewogen hat, an einem Herbstsonntag 1779 frühmorgens

vom Schloß Ettersburg bei Weimar zu einer Reise mit unbekanntem Ziel

aufzubrechen, bleibt rätselhaft. Mit ihm reisten sein Jugendfreund, Kammerherr und

Oberforstmeister Moritz von Wedel, der ‚neue’ Freund und gerade zum Geheimen Rat

ernannte Wolfgang Goethe, dessen Kammerdiener Philipp Seidel, der Kammerdiener

des Herzogs Konrad Wagner und der Reitknecht Hermann Blochberg. Goethe hielt im

Tagebuch fest, dass man „nach Eisenach gefahren“ sei und „um halb 7 daselbst

angekommen, unsere Pferde kamen um ½ 9“.

Hier gingen der Herzog, Wedel und Goethe zum ranghöchsten Beamten, dem

Kanzler Johann Christian von Göckel, zum Kammerpräsidenten Carl Christian von

Herda und zum Vizekanzler Ludwig von Bechtolsheim am Jakobsplan. Goethe „war

bis 10 bey Vicktorgen“ [Streiber, in der Judengasse] und dann „Nachts Krause

geschwätzt bis ½ 12 über Wthrs“ [Die Leiden des jungen Werthers]. Unklar ist, ob er

mit ‚Krause’ den Zeichenlehrer Georg Melchior Kraus meint, von dem man nicht weiß,

ob er an diesem Tag in Eisenach war, oder ein ‚krauses’ Schwatzen im kleinen Kreis

über seinen epochemachenden Briefroman. Dieser erregte durch die Gefühlsseligkeit

seines Helden, dessen Naturandacht und seiner Liebe zu natürlichen, unverbildeten

Menschen die damalige junge Generation, die in ein regelrechtes ‚Wertherfieber’

geriet. Es hat deshalb wahrscheinlich einen widersprüchlichen Disput gegeben und

obwohl es mit der Nachtruhe spät wurde, ist Goethe am nächsten Morgen bereits um

sechs nach Creuzburg geritten, um dort die durch einen Brand 1765 zerstörte

Nikolaikirche zu zeichnen. Durch Goethe ist somit ein Bilddokument der Kirchenruine

als bedeutsamer Beitrag zur Creuzburger Heimatgeschichte überliefert worden.

Der Herzog und Wedel trafen erst gegen zehn in Creuzburg ein und zu dritt ritt man

weiter nach Bischhausen. Dort zeichnete Goethe wiederum. Für den weiteren Weg

„gefahren über  Helsa“ wurde offenbar die begleitende Kutsche genutzt, mit der die

Reisenden „Nachts 1 Uhr in Kassel“ eintrafen. Während des dreitägigen Aufenthalts in

Kassel, der mit verschiedenen Besuchen und Besichtigungen ausgefüllt war, wurde

auch der junge Georg Forster aufgesucht und zum Mittagessen eingeladen, der mit

seinem Vater 1772-75 an James Cooks zweiter Forschungsreise in der Südsee

teilgenommen hatte. Goethe schrieb an Charlotte von Stein, Forster sei „viel

ausgefragt worden wies in der Südsee aussieht“. Auf dem weiteren Reiseweg in

Richtung Frankfurt wurde dann beschlossen, nicht nach Düsseldorf, sondern in die

Schweiz zu reisen. Doch zuvor gab es am 18. September 1779 noch einen Besuch

am Hirschgraben in Frankfurt, wo Goethes Eltern den geliebten Sohn nach fast vier

Jahren erstmals wieder freudig begrüßen konnten.

6. Goethe im Süden des eisenachischen Landesteils

von Volkmar Schumann

Das Städtchen Ostheim vor der Rhön, 20 km südwestlich von Meiningen, in einer

Exklave des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach inmitten würzburgischen

Territoriums gelegen,  wurde damals von Eisenach aus regiert. Noch heute erinnern

am ehemaligen Amtshaus Tafeln an die amtliche Zugehörigkeit zu Eisenach.

Fünfzehn Jahre nach seiner Regierungsübernahme wollte Herzog Carl August diese

im äußersten Süden seines Herrschaftsbereichs gelegene Exklave kennen lernen und

deshalb ritt er im September 1780 mit Goethe und einigen Vertrauten von Ilmenau

aus dorthin. ‚Rhönbereisung’ ist diese dreiwöchige herzogliche Besuchsreise benannt

worden.

Goethes Tagebuchnotizen und Briefe geben wieder, was ihm dabei begegnet ist und

was ihn beeindruckt hat. “Morgen werde [ich] auch mein geliebtes Dorf Malbers

[Melpers] zu sehen kriegen“ schreibt er an Charlotte von Stein. Aus diesem kleinen

Ort zwischen Kaltennordheim und Ostheim waren mehrmals Bittschriften nach

Weimar geschickt worden, die Goethe zu bearbeiten hatte, worauf das Geheime

Consilium schließlich eine Kapital-stundung und einen Zinserlaß für den Schultheißen

beschloß.

Er begeistert sich am vulkanischen Gestein der Rhön in einem Brief an Merck: „ ...

Vulkans entdeckt, einen ungeheuern Krater, Asche, Schörlkrystallen drinne, Lavaglas,

Lava, Tarassteine, und alle Sorten von Basalt“.

Zur Ankunft der hohen Herrschaften hat sich in Ostheim „alles ausgeputzt und in eine

Reihe gestellt“. Die von einem englischen Landwirtschaftsexperten, George Batty,

durch Drainage erreichten Wiesenverbesserungen „bey drey Dorfschafften“ wurden

angesehen und belobt, aber Wolken und Nebel verhüllten die Rhönberge. Aus

Ostheim schreibt er an Lavater, dem Züricher Schriftsteller und reformierten Prediger,

sein angestrebtes Lebensziel sei, „ die Pyramide meines Daseyns ... so hoch als

möglich in die Lufft zu spitzen ...“

Nach viertägigem Aufenthalt reitet die Reisegesellschaft nach Meiningen, dort am Hof

sind dem bürgerlichen Goethe „ ... Die ersten Paar Tage sauer geworden, ... iezt aber

geht’s besser“, denn es begann eine Woche, die Goethe „... im Gefolg unsrer Fürsten

... auf der Straße, bey Tische, beym Tanz und soweiter hingebracht ...“  hat. Die

Fürsten waren Carl August und Constantin von Weimar, Georg und Karl August von

Meiningen, Ernst II. von Gotha und Ernst-Friedrich von Coburg-Saalfeld. Fast alle

noch im jugendlichen Alter. Über diese sechs Tage des Zusammenseins mit den

Fürsten gibt es keinerlei Notizen von Goethe, nur aus späteren brieflichen

Äußerungen lässt sich ableiten, dass er mit ihnen sehr erlebnisreiche Tage verbracht

haben muß; in Eisenach und auf der Wartburg, wo er „... nur Eine Nacht ...“ war, wohl

auch in Ruhla.

An Maria von Branconi, der langjährigen Mätresse des Erbprinzen Ferdinand von

Braunschweig, die von Goethe als ‚überschön’ betrachtet wurde, schrieb er über

diese Tage von „ ... tausend Einfällen, Empfindungen, Bemerkungen, Geschichten

und Vorfällen ... „ und zusammenfassend: „ ... Der Verlauf vom 27. September allein

würde einen starcken Band machen ...“. Was mag sich alles dahinter verbergen?

7. Goethe zur Jagd in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Ein Jäger vor dem Herrn war Goethe nicht, aber mit Pulver und Blei muß er schon als

Sechsundzwanzigjähriger umgegangen sein, sonst hätte sein Diener Philipp Seidel

1775 nicht Ausgaben für ‚Pulver und Schrot’ festgehalten. Erst in Weimar dürfte er mit

dem fürstlichen Jagdvergnügen mehr und mehr bekannt geworden sein. Herzog Carl

August war ein leidenschaftlicher Jäger, regelmäßig verschaffte und gönnte er sich

und seiner höfischen Umgebung dieses Vergnügen. So auch im Winter 1781 in

Wilhelmsthal.

Goethe traf am Abend des 8. Dezember in Eisenach ein, es war aber zu spät, um

noch nach Wilhelmsthal zu fahren. Als er am nächsten Tag dorthin kam, brach der

Herzog gerade zu einem Sonntagsbesuch bei dem seit Herbst verheirateten

Landgrafenpaar Adolf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld und Wilhelmine von

Sachsen-Meiningen im Schloß Barchfeld auf und Goethe folgte ihm. Dort fand er es

jedoch trotz der fühlbaren Harmonie des jungen verliebten Paares langweilig und ihm

kam der Gedanke, er müsse „spielen lernen“, um solche Stunden zu ertragen. Am

Abend des nächsten Tages ist er erneut in Eisenach und schreibt einen langen Brief

an Charlotte von Stein. Darin versichert er ihr wieder seine Liebe und dass er sich in

Eisenach „von allem losgemacht“ habe, um ihr seine Gedanken mitteilen zu können.

Er berichtet, dass er Josias von Stein, Charlottes Ehemann, gefällig sein kann. Das

bezieht sich womöglich auf die Bereitstellung von Pferden und Kutschen, die für den

Verkehr zwischen Eisenach und Wilhelmsthal in diesen Tagen verstärkt gebraucht

werden und wofür der Oberstallmeister verantwortlich ist. Mit Genugtuung schreibt er

von der Gunst, die ihm am Gothaer Hof zuteil geworden ist und beklagt sich über die

„öffentliche Gleichgültigkeit der unsrigen“, was er auf sein passives Wesen und seine

„Eingezogenheit“ zurückführt. Er kritisiert, dass der Herzog bei Frost in der „Wildniss“ 

achtzig Menschen füttert und damit schmarotzende Edelleute aus der Nachbarschaft

unterhält, die es ihm nicht danken. Er findet „den Spas zu theuer“.  Bis zum 13.

Dezember ist Goethe dann noch in Wilhelmsthal. Er will seiner „Beichtigerinn“ in

Weimar vieles erzählen, „einen rechten Arm voll moralischer und politischer

Geheimnisse“. Erfreut hat er sich in diesen acht Tagen an einer italienischen

Übersetzung seines „Werther“, gearbeitet hat er an seinem Egmont-Drama. Aus

Eisenach kündigt er am Freitag,14. Dezember seine Rückkehr an.

8. Goethe mustert in Eisenach Rekruten

von Volkmar Schumann

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der herzoglichen Kriegskommission reiste

Goethe durch das Herzogtum und nahm an Rekrutenaushebungen teil. Am

Nachmittag des 2. April 1782 traf er in Eisenach ein, wo ihn „die Sorgen wie hungrige

Löwen“ anfielen. Über seine Erlebnisse bei der schonungslosen

Tauglichkeitsuntersuchung junger Männer für den Armeedienst in Eisenach,

Creuzburg, Gerstungen, Berka an der Werra, Tiefenort, Kaltennordheim und Ostheim

schweigt sich Goethe aus. Auf  Notizen im Tagebuch können wir nicht zurückgreifen –

er hat im April 1782 kein einziges Wort aufgeschrieben. Aus Briefen an Charlotte von

Stein ist nur weniges zu entnehmen, darin verwendet er den Ausdruck

‚Menschenklauberei’ und aus Äußerungen anderer wissen wir, dass ihm dieses

Aushebungsgeschäft sehr zuwider war. Wie es dabei zuging, hielt er auf einer

Bleistift-zeichnung fest, die in Apolda bei einer ‚Aushebung’ vier Wochen zuvor

entstanden ist.

In Eisenach besucht er den Vizekanzler Ludwig von Bechtolsheim und dessen

geschätzte, schöngeistige Frau Julie. Dort „hab ich viel gegessen“ schreibt er.

Zugleich mokiert er sich darüber, dass in Eisenach ein mehr genießender Geist

herrscht als in Weimar und aus Creuzburg beklagt er das „kümmerliche Wesen“ der

Menschen. Damit meint er die Armut. Es bedrückt ihn, dass er mit der oberen Schicht

„vor so vielen tausenden“ begünstigt ist. Über Gerstungen und Berka gelangt er am 6.

April nach Tiefenort, führt lange Gespräche mit George Batty über die Landwirtschaft

und steigt am nächsten Tag auf die Kraienburg hinauf, um dort die Ruinenreste der

alten Burg zu zeichnen. Nach einem Besuch beim Landgrafenpaar in Barchfeld ritt er

nach Zella bei Dermbach, wo er sich beim jungen katholischen Probst von Warnsdorf 

angemeldet  hatte. Er fand ihn „gefällig, offen, unbefangen“ und lebhaft unterhielten

sich beide über Fulda, Würzburg, Bamberg und Mainz wobei Goethe feststellt, dass

„die Verfassung dieser Provinzen“  andere Menschen bildet als im heimatlichen

Weimar. Nirgendwo berichtet er von seinen ‚amtlichen’ Erlebnissen während dieser

Tage, er ergeht sich in innigen Liebesbeteuerungen an Charlotte von Stein. Davon

sind die Briefe voll. Am vorletzten Tag seiner Dienstreise durch den eisenachischen

Landesteil schreibt er ihr aus Ostheim: „... ich bin ... immer bey dir und immer mit dir

beschäftigt.“  Am gleichen Tag wird für ihn in Wien von Kaiser Joseph II. der Adelsbrief

ausgestellt und er darf sich nunmehr „von Goethe“ nennen, was ihm künftig das

Auftreten in der aristokratischen Gesellschaft erleichtern wird.

Am 11. April 1782 fährt oder reitet er von Ostheim nach Meiningen.

9. Goethe zu vertraulichem Gespräch in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Seit 1777 waren unter Herzog Carl August die Schloßgebäude in Wilhelmsthal

zielstrebig instandgesetzt und die barocke Parkanlage durch den Hofgärtner Johann

Conrad Sckell in einen großzügigen Landschaftspark nach englischem Vorbild

umgestaltet worden. Aus dieser Zeit stammt die zwar beschädigte aber noch

vorhandene Brunnenanlage mit der liegenden Figur einer Wassernixe und mit

wasserspeienden Delphinen. Wilhelmsthal war wieder zur beliebten Sommerresidenz

des Weimarer Hofes geworden. „Wir sind in Wilhelmsthal“  schreibt der nunmehr

geadelte Goethe am 16. Juni 1783 und zugleich, dass der Geheimsekretär und

Schatzmeister der Herzoginmutter Johann August Ludecus bereits anwesend sei. Es

wird auf Prinz Constantin, den um ein Jahr jüngeren Bruder des Herzogs, gewartet,

dessen lockerer Lebenswandel während seiner Kavalierstour nach Zürich, Paris und

London für Turbulenzen am Weimarer Hof sorgte. Mit einer junge Französin reiste er

in Deutschland umher, versah sie in Eisenach mit einem Empfehlungsschreiben und

schickte sie allein nach Weimar. Dort wollte man sie nicht aufnehmen und Goethe

erhielt den delikaten Auftrag, für die Rückreise der Unwillkommenen nach Paris zu

sorgen. Sein treuer Diener Philipp Seidel begleitete Madame Darsaincourt Mitte Juli

schließlich dorthin.

Wahrscheinlich ging es in vertraulichen Gesprächen um diese Affäre und um den

weiteren Umgang mit dem Prinzen, denn Goethe schreibt von „Verworrenheit des

Prinzen“ und von „Knoten die mit Geduld gelöst werden müssen“. Er teilt seiner

Seelenfreundin in Weimar aber auch mit, dass er mit dem Herzog „über viel Dinge gar

gut gesprochen“ habe, dass er gezeichnet habe und ein Kapitel zu seinem

Bildungsroman ‚Wilhelm Meister’ fertig geworden sei. Trotz der umgebenden Natur

war ihm diesmal der Aufenthalt in Wilhelmsthal nicht angenehm, auch weil „Nebel und

Feuchtigkeit durch Berge, Wälder und Wohnung“ drangen. Für den 19. Juni kündigte

Goethe seine Abreise aus Wilhelmsthal an.

10. Bedrückende Pflichten und emsiges Forschen in Eisenach

von Volkmar Schumann

Johann Wolfgang von Goethe – 1784 war er mit amtlichen Pflichten überhäuft:

Bergwerks-kommission, Kriegskommission, Wegebaukommission, Diplomatische

Missionen an thüringischen Höfen, Präsidium der Kammer [Finanzverwaltung] und

schließlich wurde er in Eisenach damit beauftragt, in einer weiteren Kommission

Steuerverfehlungen in Ilmenau zu untersuchen.

Am Mittwoch, 2. Juni 1784 war der Weimarer Hof nach Eisenach gekommen. Es

wird deshalb reges Treiben im Schloß geherrscht haben. Mit dem jüngsten Sohn

seiner Seelenfreundin, dem zwölfjährigen Fritz von Stein, traf Goethe erst sonntags

ein. Abends wurde ein Konzert besucht und Goethe speiste mit an der Hoftafel, was

ihm nunmehr als Adligem gestattet war. Ihn erwarteten in den nächsten Tagen

brisante Verhandlungen mit dem Landausschuß und Beratungen im Geheimen

Consilium. Diesmal wohnte Goethe nicht im Schloß, er hatte sich bei der verwitweten

Kommerzienrätin Cramer in der Georgengasse einquartieren lassen, wo auch

Zusammenkünfte mit dem Deputierten der ‚Landschaft’ Friedrich von Wangenheim

aus Lauchröden stattfanden. Bei den brisanten Verhandlungen und Beratungen ging

es um die Übernahme von Kammerschulden und von Pensionen für verabschiedete

Offiziere und Soldaten, es ging um eine Reduzierung des eisenachischen

Truppenkontingents überhaupt. Maßnahmen zur Bewachung der Wartburg und zu

deren weiterer Erhaltung wurden festgelegt. Für umfangreiche Erneuerungsarbeiten

an der Burg fehlte jedoch das Geld. Zu seinen amtlichen Aufgaben gehörte ein Ritt

mit dem Landkommissar Batty, um ein Kammergut zu inspizieren (wahrscheinlich war

es der Trenkelhof), wobei Goethe von der reichen und schönen Gegend schwärmt.

In seinen freien Stunden beschäftigte sich Goethe mit naturwissenschaftlichen

Studien, zunächst mit der Untersuchung eines Elefantenschädels, der ihm aus Kassel

leihweise überlassen worden war. An diesem erbrachte er den Nachweis der

selbstständigen Existenz eines Zwischenkieferknochens bei allen Tieren. In der freien

Natur erkundete er die geologische Struktur der felsigen Umgebung bis hinein in den

Thüringer Wald. Der von ihm und dem Herzog geförderte Bergrat Johann Karl

Wilhelm Voigt war bereits in den Tagen zuvor umhergeritten, hatte sich das

Felsengebiet zu Füßen der Wartburg angesehen, besuchte Ruhla und hielt in seiner

‚Mineralogischen Reise durch das Herzogtum Weimar und Eisenach’ fest, was ihm

am unterschiedlichen felsigen Gestein und an den noch von reger bergmännischer

Tätigkeit zeugenden zahlreichen Stollen bemerkenswert schien. Erst vier Jahre zuvor

war der Abbau von Steinkohle in der ‚Öhrenkammer’ eingestellt worden. Mit diesem

Fachmann an der Seite ritt Goethe ins ‚Ruhlaer Gebirge’. Vom Meisenstein aus

erspähten sie sich einen Weg auf den Inselsberg, auf den Goethe mit wenigen

Begleitern am letzten Tag seines fünfwöchigen Aufenthalts in Eisenach hinaufritt und

wo die kleine Gesellschaft nach später Ankunft auf dem Gipfel in einem ‚geräumigen

Salon’ auf einem ’Lager von grünem Tannenreiß’ nächtigte. Der Herzog war diesmal

nicht mit von der Partie, er besuchte in Thal den ‚Wunderdoktor’ Johannes Hornschuh

und erhoffte sich von ihm die Linderung seiner körperlichen Leiden. Am 9. Juli

schreibt Goethe in seinem letzten Brief aus Eisenach an Charlotte von Stein, dass er

gleich von Erfurt aus zu ihr – nach Großkochberg - kommen wolle.

11. Sommerwochen in Wilhelmsthal und Ruhla

von Volkmar Schumann

Im Juli 1789 teilt Goethe dem Kammerpräsidenten Carl Christian von Herda in

Eisenach mit, daß Herzog Carl August demnächst in Wilhelmsthal eintreffen werde

und er ihn dort mit dem sechsjährigen Erbprinzen Carl Friedrich ‚überraschen‘ wolle.

Allerdings sorgt er sich, denn er hatte gehört ‚in jener Gegend seyen gegenwärtig die

Masern‘.

Mitte Juli brach dann die Französische Revolution aus, erst sechs Jahre später

sprach Goethe von einer ‚Vorahndung des Zukünftigen‘, die ihm damals gekommen

sei, vom ‚Unheil der französischen Staatsumwälzung‘.

Trotz der Bedenken wegen der Masern signalisiert er dem Kammerpräsidenten von

Herda sein Kommen mit dem Erbprinzen, dessen Erzieher Cornelius Rudolph Ridel

und mit dem dreizehnjährigen August Herder am 24. Juli: „… Wir nehmen das

freundschaftlich angebotene Abend Essen mit Danck an und werden wohl erst gegen

Abend eintreffen… „

Er wollte mit dem Herzog und den Kindern ‚in den Thüringischen Wäldern gute

Stunden finden‘ wie er der Herzoginmutter Anna Amalia schrieb, die in Italien war.

In Wilhelmsthal spricht er mit dem Herzog über die finanzielle Besserstellung Herders,

dem durch eine Berufung nach Göttingen dort höhere Einkünfte in Aussicht gestellt

sind. In diesen drei Sommerwochen beschäftigt er sich mit der Formung eines

Jupiter-Profils aus weichem Wachs, das er nach Weimar mitbringen will, arbeitet an

den letzten beiden Akten des Schauspiels ‚Torquato Tasso‘, aber auch an ‚erotischen

Späßen‘, gewiß in Erinnerung an seine junge Geliebte Christiane Vulpius, die im

fünften Monat schwanger ist.

Ausflüge in die Umgebung führen nach Untersuhl, wo die ungewöhnliche Architektur

der Rundkirche ihn und den Herzog zu der Spekulation veranlaßt, ob diese vielleicht

‚in die Mauern eines römischen Grabmals gebauet ist‘ und in den damaligen

Manufaktur- und Badeort Ruhla. „Hier sind wir in dem Lande der berühmten

Bergnymphen und doch kann ich dir versichern, daß ich mich herzlich nach Hause

sehne, meine Freunde und ein gewisses kleines Eroticon wieder zu finden …“

schreibt er am 10. August an Herder aus Ruhla. Der  Kammerrat August Anton von

Göchhausen aus Eisenach begleitet ihn auf den bergigen Wegen in der Umgebung

des Ruhlaer ‚Brunnenhauses‘ und es wird erwogen, eine ‚Promenade‘ anzulegen, um

vom Forsthaus bequemer auf den Berggipfel zu gelangen.

Goethe will eine Zeichnung für einen kleinen hölzernen Pavillon auf dem Gipfel

beschaffen.

Der Eisenacher Arzt und Bergrat Johann Christian Heusinger untersucht im Beisein

des Herzogs, Goethes, von Herdas und von Göchhausens das Ruhlaer ‚Stahlwasser‘

und bestimmt dessen mineralogische, die Gesundheit förderenden Bestandteile.

Ruhla wurde für etwa zwanzig Jahre zu einem beliebten Badeort mit jährlich bis zu

1500 Badegästen.

Mit dem Herzog verließ Goethe am 15. August 1789 Wilhelmsthal und reiste nach

einem Besuch beim Gothaer Herzog Ernst II. zurück nach Weimar.

12. Goethe beim Herzogspaar in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Anfang Juli 1791 fragt Goethe beim Herzog an ‚ob es erlaubt ist Sie in den Wäldern

und an den Heilsamsten Quellen aufzusuchen‘. Gemeint sind damit die

Sommerresidenz Wilhelmsthal, wo sich Carl August und die Herzogin Luise bereits

seit Mitte Juni aufhalten und der aufstrebende Badeort Ruhla mit seinem heilsamen

Brunnenwasser, das zwar in seiner Qualität dem Liebensteiner etwas nachsteht, aber

trotzdem viele Gäste zur Wasserkur anzieht.

Dem Regierungsrat Christian Ernst von Bentzel-Sternau teilt er am 10. Juli mit: „…

Ein Brief Serenissimi heißt mich nach Eisenach eilen …“ und bereits einen Tag später

sitzt er abends an der fürstlichen Tafel in Wilhelmsthal. Dem befreundeten Herzog

trägt er wahrscheinlich seine Theorien zur Farbenlehre und zur Optik vor,

Wissenschaftsgebiete, mit denen er sich in diesem Sommer eingehend befaßt. Gewiß

ist mit dem Herzogspaar auch über die Fortschritte beim Schloßbau in Weimar sowie

über die gerade erst vom Weimarer Hoftheater in Lauchstädt erworbenen Gebäude,

Ausstattungen und die Spielkonzession gesprochen worden.Ab 1791 spielten 

Weimarer Schauspieler in den Sommermonaten dort regelmäßig ihr Repertoire, wobei

die Einnahmen dem Hoftheater zuflossen.Vermutlich besucht Goethe in diesen Tagen

in Eisenach die Gartenanlagen des Kaufmanns Christian Friedrich Röse, denn dieser

schickt ihm ein paar Wochen später ‚ … in beifolgender Schachtel die  versprochne

Gras Blumen Pflanze, davon das Kraut ganz monströs gewachsen …‘. Goethe sah

darin ein weiteres Beispiel für seine Lehre von der Metamorphose der Pflanzen.

Am 18. Juli verläßt Goethe Wilhelmsthal in Richtung Gotha, wo er noch bis

Monatsende bleibt, weil er sich dort ‚des physikalischen Apparats mit großem Nutzen‘

bedienen kannar.

13. Goethe fährt durch Eisenach nach Frankreich

von Volkmar Schumann

In einer leichten böhmischen Halbchaise verläßt Goethe am 8. August 1792 Weimar,

um auf Verlangen seines Herzogs am Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich

teilzunehmen. Zwei Tage später kommt er durch Eisenach, wo er mit ‚... Selterwaßer

und Wein, … Braden und Brod …‘ bewirtet wurde. Voller Siegeszuversicht ziehen

preußische, hessische und österreichische Truppen gemeinsam mit französischen

Emigranten, die ihre ehemaligen Besitzungen zurück erobern wollen, gen Westen.

Auch Goethe erliegt dem hoffnungsvollen Optimismus, der alle beseelt.

Aus dem Lager bei Verdun schreibt er am 10. September an Christiane: „… In Paris

wird’s Allerley geben…“.  Die wechselnden Stimmungen, denen der Dichter und

nunmehrige Kriegsberichterstatter unterliegt, kann man aus seinen zahlreichen

Briefen herauslesen.

Der Vormarsch der Koalitionsarmee unter Führung des Herzogs Ferdinand von

Braunschweig wird jedoch nicht nur durch das anhaltende miserable Herbstwetter in

der Champagne, mehr noch durch den Kampfgeist der ungenügend organisierten

republikanischen französischen Revolutionsarmee zum Stehen gebracht. Die

‚Kanonade von Valmy‘ am 20. September 1792 beendet den beabsichtigten Marsch

nach Paris.

Nach achtundzwanzig Jahren verarbeitet Goethe in der ‚Kampagne in Frankreich‘

seine Erlebnisse auf diesem Feldzug literarisch, aber meisterhaft stellt er diese so

dar, als ob sie sich erst vor kurzem ereignet hätten. Voller Lebendigkeit schildert er

die Dramatik der ‚Kanonade von Valmy‘: „… die Kugeln schlugen dutzendweise vor

der Eskadron nieder, […] Kot aber und Schmutz bespritzte Mann und Roß; die

schwarzen Pferde, von tüchtigen Reitern möglichst zusammen gehalten, schnauften

und tosten; die ganze Masse war, ohne sich zu trennen oder zu verwirren, in flutender

Bewegung. […] In dem ersten Gliede der Eskadron schwankte die Standarte in den

Händen eines schönen Knaben hin und wieder, er hielt sie fest, ward aber vom

aufgeregten Pferde geschaukelt; sein anmutiges Gesicht brachte mir […] in diesem

schauerlichen Augenblick, die noch anmutigere Mutter vor die Augen, und ich mußte

an die ihr zur Seite verbrachten friedlichen Momente gedenken. […] Endlich kam der

Befehl, zurück und hinab zu gehen …“.

Bei der ’anmutigen Mutter‘ und dem ‚schönen Knaben‘ handelt es sich um Julie von

Bechtolsheim, Frau des Kanzlers und Oberkonsistorial-Präsidenten Ludwig von

Mauchenheim gen. Bechtolsheim in Eisenach und deren damals siebzehnjährigen

Sohn Carl Emil, der als Fahnenjunker im Kürassierregiment des Herzogs diente.

Goethe flieht mit allen anderen ostwärts und nimmt den Rückweg über Düsseldorf,

Münster, Paderborn und Kassel, wo er sich jeweils ein paar Tage aufhält.

Von Kassel fährt er über Helsa, Bischhausen, Lüderbach, Eisenach nach Weimar und

trifft am 16. Dezember bei Christiane und dem fast dreijährigen Söhnchen August ein.

14. Überraschender Besuch in Eisenach

von Volkmar Schumann

„Goethe ist endlich heute doch noch zum Herzog abgereist …“ mit diesen Worten

kommentiert Karoline Herder am 12. Mai 1793 die widerwillige Abreise Goethes in

das Militärlager Marienborn, von dem aus die Belagerung des von Franzosen

besetzten und republikanisch gewordenen Mainz befehligt werden soll. Doch für die

Reise dahin nimmt er sich Zeit. Überraschend trifft er am 15. oder 16. Mai bei Julie

von Bechtolsheim am Jakobsplan in Eisenach ein, die den Besuch in einem

Briefgedicht folgendermaßen schildert: „Ein Fremder meldet sich, tritt ein, und siehe

da!/Auf einmal war mir Goethe nah …/Nun wandelt ich mit ihm zum Garten,/Im halben

Traum, ob‘s Wahrheit sey, im Glück/Des Wiedersehns hinschwebend, und wir

harrten/Auf einen schönen Sonnenblick./Doch dieser schien verbannt auf immer:/Ein

Nordwind wies ins öde Zimmer/Zu unserm Mißmut uns zurück …“ Dort wandte sich

das Gespräch den politischen Zeitereignissen zu und weil sich Julie von Bechtolsheim

diesem nicht gewachsen fühlte,  begann sie, von den Gedichten eines mit ihr

bekannten Advokaten zu erzählen. Wenige Wochen danach schreibt Goethe ihr aus

Marienborn: „Meine werte Freundin würde mir vielleicht in diese wilden und

verworrenen und außerdem noch kalten und feuchten Zustände ein freundliches Wort

senden und mich auferbauen und erquicken […] Ich pränummeriere also durch

gegenwärtiges Blatt auf ein künftig freundliches und liebeliches, mit der Versicherung,

daß der liebe Sohn sich wohl und munter in seinem Berufe und der Freund ganz

leidlich außer seinem Berufe findet.[…]“ Den siebzehnjährigen Fahnenjunker Carl

Emil von Bechtolsheim hat er demnach im herzoglichen Regiment angetroffen, das

Mainz mit belagert. Am 22. Juli kapitulierte die französische Besatzung von Mainz,

Goethe erlebte unmittelbar das daraufhin eintretende Chaos und schilderte es

eindrucksvoll in seiner autobiografischen Abhandlung ‚Belagerung von Mainz‘. Nach

Aufenthalten in Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg und Frankfurt, wo er seine Mutter

besuchte, traf Goethe am 23. August wieder in Weimar ein.

15. Goethe eine Woche in Eisenach

von Volkmar Schumann

Eigentlich soll Goethe im Oktober 1795 nach Frankfurt reisen, wo sich das

Hauptquartier des preußischen militärischen Schutzkordons befindet. Das und die

Vorgänge auf dem Kriegsschauplatz im Rhein- Maingebiet soll er im Auftrag des

Herzogs beobachten. An Christiane schreibt er am 13. Oktober: „Nur soviel, mein

liebes Kind, daß ich in Eisenach bin und wohl so bald nicht fortkomme; ich hatte nicht

ohne Grund gesorgt, denn die Österreicher sind mit 60 tausend Mann über den Main

gegangen und werden sich wohl um Franckfurt herum mit den Franzosen balgen.“

Er bleibt beim Herzog in Eisenach und schreibt am gleichen Tag an Schiller: „Noch

bin ich hier und werde wohl noch erst abwarten was aus den Dingen werden will eh

ich meine Reise weiter fortsetze. [… ] In ein solches Gewirre möchte ich von heiler

Haut mich nicht hineinbegeben, da ich dergleichen anmuthige Situationen schon

kenne.“

Herzog Carl August befreit ihn von der unliebsamen Reise, hält ihn jedoch bis zum

Abschluß eines Vertrages über das Ilmenauer Hammerwerk in Eisenach zurück.

Diesen ‚stillen‘ Aufenthalt in Eisenach nutzt Goethe, um einen umfangreichen Aufsatz

der Madame de Stael ‚Versuch über die Dichtungen‘ völlig zu übersetzen, an seinem

Roman ‚Wilhelm Meisters Lehrjahre‘ weiter zu arbeiten und eine Vortragsreihe für die

‚Freitagsgesellschaft‘ in Weimar vorzubereiten.

In Weimar und auch in Eisenach haben französische adlige Emigranten Asyl

gefunden. Einem von ihnen, dem Grafen Dumanoir, der monatelang auch häufiger

Gast an der fürstlichen Tafel des Herzogs ist, begegnet Goethe ‚in Eisenach vergnügt

auf der Straße‘. Er kennt  ihn als den am ‚meisten Gebildeten‘ unter den Emigrierten,

wegen seines tüchtigen Charakters und reinen Menschenverstandes. Umso mehr

verwundert sich Goethe, daß der Graf aus der Frankfurter Zeitung ‚Günstiges‘ für die

Angelegenheiten der Emigranten herausgelesen haben will. Goethe findet nichts

Derartiges in der Zeitung und stellt eine ‚Verfinsterung des Urteils‘ bei dem von ihm

geschätzten Grafen fest, der mit allen anderen Emigranten auf die Wiederherstellung

der alten Herrschaftsverhältnisse in Frankreich hofft.

Am 16. Oktober schreibt er aus Eisenach an Christiane: „Du kommst um den Muff und

das Kind um die Pelzmütze, denn ich gehe nicht nach Franckfurt …“

Nach dem einwöchigen Aufenthalt verläßt er Eisenach und begibt sich zunächst nach

Gotha an den herzoglichen Hof.

16. Familie Goethe in Eisenach

von Volkmar Schumann

Mit dem elfjährigen August fährt Goethe Anfang Juni 1801 über Erfurt, Gräfentonna,

Langensalza, Mühlhausen, Dingelstädt, Heiligenstadt, Bremke nach Göttingen. In der

beliebten Universitätsstadt wird Goethe durch ‚ein dreifaches öffentliches Lebehoch‘

begeisterter Studenten begrüßt. Vater und Sohn durchstreifen Stadt und Umgebung,

sehen sich in der Universitätsbibliothek und im Museum um, besuchen ansässige

Professoren, Wissenschaftler und Persönlichkeiten. Am 12. Juni geht die Reise weiter

über Einbeck und Grohnde  in das  niedersächsische Bad Pyrmont. Durch eine

vierwöchige Trink- und Badekur will Goethe nach schwerer Erkrankung endgültig

genesen. An Christiane schreibt er: „… August ist sehr glücklich. Das lange schlafen,

spazieren gehen, ein wenig Wasser trinken, Kirschen und Erdbeeren essen, baden

usw. bekommt ihm fürtrefflich …“. Er hat mit ihr vereinbart, daß sie ihm auf seinem

Rückweg von der Kur bis Kassel entgegen kommt: „ … Ich wünsche daß du

Sonnabend d. 15. August in Cassel eintreffest, ich werde an demselbigen Tage auch

anlangen. Du kehrst im Posthause am Königsplatz, bey Mad. Goullon ein …“

Fünf Tage bleibt er mit ihr, August und dem Kunstprofessor Heinrich Meyer, der

Christianes Begleiter war, zur Besichtigung aller Sehenswürdigkeiten in der Stadt.

Freitags früh um vier reisen sie von Kassel ab. Durch Helsa, Walburg,

Harmuthsachsen und Waldkappel kommen sie mittags nach Hoheneiche. Dort

zeichnet Goethe die Kirche. Abends treffen sie in Creuzburg ein, wo übernachtet wird.

Frühzeitig am nächsten Tag bricht man zur nahe gelegenen Saline

Wilhelmsglücksbrunn auf. Seit einem Jahr leitet der junge Bergmeister Wilhelm

Schrader den Salinenbetrieb. Um die Salzgewinnung zu sichern und zu verbessern

hat er dem Herzog in Weimar verschiedene Rekonstruktionsvorschläge gemacht, die

Goethe zu bearbeiten hatte. Nun will er sich vor Ort vom Stand der Arbeiten

überzeugen. Aber lange kann der Besuch bei Schrader nicht gedauert haben, denn

vormittags um zehn ist die Reisegesellschaft bereits in Eisenach. In Goethes

Tagebuch finden sich nur wenige Notizen. Vielleicht gab es einen Spaziergang durch

die Stadt. Am Abend steigen die vier noch auf die Wartburg und auf den Metilstein,

sehen sich die Röse’schen Anlagen an. Goethe erinnerte sich dabei ‚früherer Zeiten‘.

In Eisenach ist zu der Zeit als Regierungsbeamter Carl von Schardt tätig, ein Bruder

der Charlotte von Stein. Ihn besucht man noch am späten Abend.

Ein sonntäglicher Ausflug führt die Familie nach Wilhelmsthal und nach Ruhla.

Übernachtet wird wieder in Eisenach, aber es ist nicht bekannt, unter welchem Dach.

Im Schloß kann es nicht gewesen sein, denn Goethe lebte ja noch in ‚wilder Ehe‘ und

deshalb war der Familie dort der Zutritt verwehrt.

Am 24. August 1801 vormittags 10 Uhr verläßt die Kutsche mit der Familie Goethe

und Heinrich Meyer Eisenach.

17. Letzte Übernachtungen Goethes in Eisenach

von Volkmar Schumann

Im Juli 1814 reiste Goethe zur Kur nach Wiesbaden und blieb in den Rhein- und

Maingegenden bis zum Oktober. Auf der Hin- und Rückfahrt übernachtete er in

Eisenach und wurde ‚ … vom Schloss-Voigt wohl empfangen …‘.

Bei der erneuten Reise in die Rhein- und Maingegenden ein Jahr später übernachtete

Goethe am 24. Mai 1815 ein letztes Mal in Eisenach.

Nachweislich hat sich Goethe neunmal in Eisenach bzw. im nahe gelegenen

Wilhelmsthal aufgehalten, siebenmal hat er lediglich in Eisenach übernachtet und

zehnmal fuhr er durch die Stadt auf seinen Reisen von West nach Ost und

umgekehrt.

Im Zeitalter der Postkutsche war Goethe vorwiegend in herzoglichen

‚Dienstkutschen‘, oft auch in privaten Mietkutschen oder in einer leichten Chaise,

einem Geschenk des Herzogs, unterwegs. In jungen Jahren legte er auch weite

Strecken reitend zurück. Erst im Alter von fünfzig Jahren erwarb Goethe eine schwere

Reisekutsche, die er dann regelmäßig benutzte. Das Reisen mit der Kutsche brauchte

seine Zeit. Mit den nötigen Pausen für das leibliche Wohl, für das Tränken und Füttern

der Pferde dauerte die Fahrt von Eisenach nach Fulda

mehr als zehn Stunden.

Literaturverzeichnis zur Artikelserie ‚Goethe in Eisenach‘

Goethes Werke  (Tagebücher und Briefe)

Weimarer Ausgabe, Hermann Böhlau Weimar 1887

Albrecht, Wolfgang

‚Hier wohn‘ ich nun, Liebste …‘; Schriften der Wartburgstiftung Eisenach 1986

Bradish, Joseph A. von

‚Goethes Beamtenlaufbahn‘; B. Westermann Co. Inc., New York 1937

Damm, Sigrid

‚Christiane und Goethe‘, Insel-Verlag 1998

Langlotz, Kurt

‚Goethes Wirken in Westthüringen‘; Michael Triltsch Verlag Düsseldorf 1958

Mauchenheim gen. Bechtolsheim, Hermann Frhr. von

Zusammenstellung der über die Familie der Freiherren von Mauchenheim gen.

Bechtolsheim bekannten Nachrichten. Herausgegeben von Hubert Frhr. von

Bechtolsheim 1998, Privatdruck 2000

Oberndorff, Carl Graf

‚Erinnerungen einer Urgroßmutter‘; Berlin W. F. Fontane & Co., 1902

Scheidig, Walther

‚Goethe und die Wartburg‘; Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der

klassischen deutschen Literatur in Weimar, 1966

Steiger, Robert/ Reimann, Angelika

‚Goethes Leben von Tag zu Tag‘; Artemis Verlag Zürich und München, 1982 - 1996

Schmidt, Eva

‚Julie von Bechtolsheim‘; Herausgegeben von Hubert Frhr. von Bechtolsheim

PlayAlpha-Verlag Rattenkirchen, 2002/2003

Vulpius, Wolfgang

‚Goethe in Thüringen‘; Greifenverlag zu Rudolstadt, 1968

Zastrau, Alfred

Goethe Handbuch, Band 1; J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1961

Goethe Gesellschaft Eisenach e.V.
© 2017 / Goethe-Gesellschaft Eisenach e.V.
„Wir wissen gar nicht, was wir Luthern und der Reformation im Allgemeinen alles zu danken haben“.

Publikationen

der Goethe-Gesellschaft Eisenach e.V.

1. Goethe erstmals in Eisenach

von Volkmar Schumann

Um die schönen Künste zu studieren wollte Wolfgang Goethe

eigentlich nach Göttingen, doch der auf einen soliden Beruf, mit

dem man sein Brot verdienen könnte, bedachte Vater bestimmte

für seinen Sohn die Leipziger Universität. Dort hatte er selbst die

Rechte studiert und der Sohn sollte den gleichen Weg gehen.

Deshalb bestieg der Sechzehnjährige an einem der letzten

Septembertage des Jahres 1765 frühmorgens die Postkutsche, in

der er mit dem Buchhändler Johann Georg Fleischer und seiner

Frau auf die weite Reise nach Leipzig geschickt wurde.

Den Postillonen der Thurn- und Taxischen Post forderten die

schlechten, ungepflasterten Straßen und Wege großes

fahrerisches Geschick beim Lenken der schweren Postkutsche ab.

Zudem mussten sie sich oft mit den Posthaltern wegen des

Fütterns und Tränkens oder des Wechselns der Pferde streiten.

Frachtwagen, Kutschen und Reiter behinderten unterwegs die

zügige Fahrt.

Am 1. Oktober 1765 spätabends fuhr die Postkutsche durch das

Eisenacher Georgentor bis in die Schmelzerstraße, wo sich damals

die Posthalterei befand. Der junge Wolfgang beabsichtigte, bei

dieser Rast einen Bekannten zu begrüßen. Johann Christian

Molter war nach abgeschlossenem Theologiestudium fünf Jahre

als Hauslehrer in Frankfurt tätig gewesen und hatte den mit ersten

Jugenddichtungen bereits hervor getretenen vierzehn Jahre

jüngeren Goethesohn offenbar im Kreis seiner Jugendfreunde

kennen gelernt. Er erbat sich von ihm einen Vers in sein

Stammbuch und Wolfgang schrieb: „Der Tod beendet alles.“ Dieses

schrieb zu seinem ewigen Gedenken JWGoethe. Dieser

Stammbucheintrag ist eines der wenigen schriftlichen Zeugnisse

des 14jährigen Goethe und deshalb von herausragender

literaturgeschichtlicher Bedeutung.

Zu mitternächtlicher Stunde, als die Reisenden in der Posthalterei

eintrafen, war es nicht mehr möglich, den cand. theol. Christian

Molter zu treffen. Molter stammte aus Helmershausen bei

Meiningen, hatte in Jena studiert und wartete nach seiner

Hauslehrerzeit in Frankfurt nunmehr auf ein Pfarramt in Eisenach.

Mit diesem wurde er ein Jahr später in Farnroda betraut. Dort

wirkte er 25 Jahre lang treu und hingebungsvoll, hoch verehrt von

seiner Gemeinde.

Aus Leipzig schrieb Wolfgang Goethe an seine Schwester

Cornelia, dass er „nachts um 12 durch Eisenach gekommen“ sei

und er „hätte das Vergnügen nicht haben können ihn [Molter]zu

sehen“. Das war Goethes erster Aufenthalt in Eisenach sowie

seine erste Erwähnung unserer Stadt.

2. Goethes erster und längster Aufenthalt in Eisenach

von Volkmar Schumann

Seit November 1775 lebte Goethe auf Einladung des Herzogs Carl

August in Weimar.

Als Geheimer Legationsrat und jüngstes Mitglied des Geheimen

Consiliums kam er Anfang September 1777 im Gefolge des

Herzogs erstmals für längere Zeit nach Eisenach, um an

Beratungen mit dem Landausschuß teilzunehmen. Es ging darin

um die Neuordnung des Finanzwesens mit Herabsetzung von

Schuldzinsen; um die Veränderung von Steuern, die weitere

Finanzmittel für die herzogliche Kasse erbringen sollte; es ging

aber auch um die Abschaffung der demütigenden Kirchenbuße, die

schwangeren ledigen Mädchen auferlegt war.

Die langwierigen, nicht einfachen Verhandlungen darüber mit den

adligen ritterschaftlichen Deputierten aus Mihla, Krauthausen,

Lauchröden, Stedtfeld, Wenigenlupnitz und Unterellen und mit den

bürgerlichen Oberen der Städte Eisenach, Creuzburg und Ostheim

wurden begleitet und aufgelockert durch gesellige Veranstaltungen

des herzoglichen Hofes im Schloß sowie der Eisenacher

Bürgerschaft in der Clemda, dem Gesellschaftshaus mit Orangerie

und Lustgarten, mit Teichen und Wasserkünsten an der nördlichen

Stadtmauer.

Goethe beteiligte sich, tanzte „von 6 bis  morgens 3“, stahl sich

aber auch davon, um am Jakobsplan, beim Vizekanzler Ludwig

von Bechtolsheim und seiner charmanten 25jährigen Frau Julie

ruhigere Stunden zu verbringen.

Im Schloß störte ihn das unruhige höfische Treiben. Zudem hatte

man ihm im Nordflügel ein Zimmer zugewiesen, das in diesen

Septembertagen kalt und unwirtlich war. Gern nahm er deshalb

das Angebot des Herzogs an, auf die Wartburg hinauf zu ziehen.

Dort gab es zwar nur verfallene, schadhafte Gebäude, die für

verschiedene Zwecke genutzt wurden, doch im Torhaus fand sich

ein Raum für ihn. Das Erlebnis der umgebenden Natur beflügelte

seine dichterische Phantasie und erhob ihn über die

unerquicklichen pflichtmäßigen Beratungen unten in der Stadt. „Die

Gegend ist überherrlich ...“ schreibt er an Charlotte von Stein „...

Diese Wohnung ist das  Herrlichste was ich erlebt habe.“  Er

wendet sich dichterischen Einfällen zu und entwirft eine „komische

Oper, so toll und grob als möglich“, die später unter dem Titel

Triumph der Empfindsamkeit bekannt wird. Er durchstreift die

bergige und felsige Umgebung der Burg, zeichnet sie mehrmals

von verschiedenen Standpunkten aus, sucht und erkundet die

sagenumwobene Klufthöhle ‚Verfluchtes Jungfernloch’, er

vergleicht die frei stehenden Felsen ‚Mönch und Nonne’ mit der

von Christoph Martin Wieland dichterisch gestalteten Legende ‚Sixt

und Klärchen’.

Auf der Burg besuchen ihn die jungen Damen aus dem Eisenacher

Bürgertum, die er beim Tanz in der Clemda kennen gelernt hat:

“Sie versichern mir alle, dass sie mich lieb haben, und ich

versichere sie, sie seien charmant ...“. Für eine interessiert er sich

besonders: Viktoria Streiber aus der Judengasse [seit 1825

Karlstraße]. Sie ist die 20jährige hübsche Tochter des Kaufmanns,

Bankiers und Fabrikanten Johann Lorenz Streiber und seiner Frau

Sophie, einer Cousine Klopstocks. Mit Viktoria geht er mehrmals

spazieren, trifft sie im Elternhaus und bei Bechtolsheims. Bald wird

in den Hofkreisen gemunkelt, Goethe hätte sich verlobt.

Aus Darmstadt besucht ihn der befreundete Schriftsteller und

Kritiker Johann Heinrich Merck auf der Burg, mit dem er durch die

Landgrafenschlucht nach Wilhelmsthal wandert. Dort wird Merck

dem Herzog Carl August vorgestellt und zwischen beiden entsteht

eine jahrelange Vertrautheit. Der Herzog, Goethe und Merck reiten

nach Ruhla, dem neben Apolda  bedeutendsten Industrieort des

Herzogtums, der jedoch vom Erbstrom geteilt ist und aus einem

gothaischen und weimarischen Anteil besteht.

Nicht nur die Manufakturen der Messerschmiede und

Tabakpfeifenmacher ließen den Ort weit über die Grenzen des

Herzogtums hinaus bekannt werden, auch Anmut und Schönheit

der Ruhlaer Mädchen trugen dazu bei. Die drei hochrangigen

Besucher vergnügten sich mit ihnen bei Spiel und Tanz.

Beim Vizekanzler von Bechtolsheim trifft Goethe den

kurmainzischen Statthalter von Erfurt,

Karl Theodor von Dalberg, der enge Kontakte zum weimarischen

Hof pflegt und er lernt dort den weltmännischen Baron Friedrich

Melchior von Grimm kennen, der als gothaischer Minister,

Journalist und Schriftsteller europaweit für die Verbreitung

französischer Literatur und Nachrichten sorgt.

Mehrmals war Goethe in diesen Herbstwochen im nahe gelegenen

Wilhelmsthal. Schloß und Park waren bereits in den Jahren 1710

bis 1715 als Sommerresidenz der Eisenacher Herzöge entstanden,

jedoch wegen mangelnder Pflege seit 1748 mehr und mehr

verwahrlost und als Carl August sich angesagt hatte, mussten

zunächst die Gebäude wohnlich hergerichtet, eine Kegelbahn und

ein Scheibenschießstand erbaut werden. Aus Weimar kamen Prinz

Constantin und sein Erzieher Karl Ludwig Knebel dahin zu Besuch,

mit ihnen streift Goethe durch die waldreiche, felsige Umgebung.

Der Oberforstmeister Friedrich von Witzleben begleitet ihn auf

einem Ritt bis zur Ottowaldwiese auf den Kamm des Thüringer

Waldes und Goethe  berichtet auch von einem abendlichen Ausflug

mit dem Pirschknecht Wenzing im Umkreis der ‚Hohen Sonne’:

„Sah drei Stück Wild, hörte den Hirsch nur wenig rufen in den

Wänden gegenüber.“

Häufig ist er in diesen Wochen bei Bechtolsheims am Jakobsplan,

übernachtet gar dort, wenn es zu spät ist, durch den Steinweg auf

die Burg hinauf zu steigen.

Bei einem Vogelschießen vor dem Nikolaitor erlebt er, wie leider

ein junger Mann durch einen Fehlschuß ums Leben kommt. Der

Fabrikant Streiber zeigt dem Herzog, Goethe und Knebel seine

Textilmanufakturen und die Färberei. Am letzten Tag des

fünfwöchigen Aufenthalts in Eisenach sitzt Goethe nach einer

armseligen Parade der wenigen und überalterten Soldaten zum

Mittag mit dem sächsischen General Volpert Christian Riedesel

aus Neuenhof an der Hoftafel.

Zu Pferd verließ Goethe am 10. Oktober 1777  mit Rittmeister

Friedrich Wilhelm von Lichtenberg die Stadt: „Früh fünfe weg ...“

3. Ein kurzer Besuch Goethes in Eisenach

von Volkmar Schumann

Eine der ersten Amtshandlungen des jungen Herzogs Carl August

in Weimar war, die Wiederaufnahme des Kupferschieferbergbaus

in Ilmenau zu betreiben. Er gründete dazu eine

Bergwerkskommission, der ab November 1777 neben

Kammerpräsident Alexander von Kalb und Hofrat Dr. Eckardt

nunmehr auch der Geheime Legationsrat Wolfgang Goethe

angehörte.

Mit Begeisterung nahm Goethe seine Arbeit auf, doch er fühlte,

dass ihm fachliche Kenntnisse fehlten. Eigentlich soll er an einer

„... Jagdpartie auf wilde Schweine, notgedrungen auf das häufige

Klagen des Landvolks ...“ im eisenachischen Landesteil

teilnehmen, doch dazu verspürt er keine Lust. Mit Erlaubnis des

Herzogs bereitet er trotz des Winters einen Ritt in den Harz vor.

Dort will er „ ... vor allen Dingen das Bergwesen in seinem ganzen

Komplex mit Augen [zu] sehen ...“ . Carl August ritt mit seinem ein

Jahr jüngeren Bruder Prinz Constantin, dem befreundeten

Kammerherrn Moritz von Wedel und dem Prinzenerzieher Karl

Ludwig von Knebel zur Jagd nach  Marksuhl. Danach verließ auch

Goethe am 29. November 1777 Weimar.

Zwei Wochen war er inkognito unterwegs. Er verbringt einen

ganzen Tag in der Baumannshöhle und „ ... betrachtete das

fortwirkende Naturereignis ganz genau ...“. In Goslar fährt er in das

Erzbergwerk Rammelsberg ein, besucht die Hüttenwerke an der

Oker,

fährt in Clausthal in drei Gruben ein, steigt von Altenau zum

Torfhaus hinauf und überredet dort den Förster Christoph Degen,

ihn trotz des tiefen verharschten Schnees auf den Brocken zu

führen. Überglücklich steht er am 10. Dezember mittags auf dem

Brockengipfel und genießt bei heiterem Wetter den Blick über

Wolken und Nebelschwaden. Zwei Tage später fährt er in St.

Andreasberg in die Erzgrube Samson ein und steigt bis auf  810

Meter ab. Den Erwerb bergbautechnischer Kenntnisse beendet er

in Lauterberg mit der Besichtigung einer Eisenhütte, Eisengießerei

und Drahtzieherei.

Bei Kälte und über gefrorene Wege kam er von Mühlhausen am

15. Dezember 1777 in Eisenach an. Im Schloß traf er den Herzog

und die Jagdgesellschaft. Ein Engländer, Mr. Simson, führte

offenbar waghalsige Reitkünste vor. Goethe ging die wenigen

Schritte zu Bechtolsheims am Jakobsplan und wurde von ihnen

zum Essen eingeladen. Abends erzählte er ausführlich im Kreis

des Herzogs, des Prinzen, Wedels und Knebels von seinen

Abenteuern im Harz. Knebel stellte fest, dass in Goethe durch die

erlebte Abgeschiedenheit  „ ... eine wunderbare Auflösung des

Herzens“ bewirkt worden sei. „Nachts 2“  fuhren Goethe, Prinz

Konstantin und Knebel nach Weimar ab, wo sie mittags eintrafen.

4. Goethe erneut auf der Wartburg

von Volkmar Schumann

Im September 1778 zog es Herzog Carl August von Sachsen-

Weimar-Eisenach zum Jagen nach Wilhelmsthal. Goethe sollte

daran teilnehmen und dazu traf er am Donnerstag, 10. September

abends in Eisenach ein, wo er ganz allein mit einem Diener im

großen, leeren Schloß übernachtete. Er scheint sich fast gefürchtet

zu haben, denn er fühlte sich wie ein Gespenst. Am nächsten Tag

ritt er nach Wilhelmsthal, dort graute ihm aber vor dem lärmenden

Treiben der herzoglichen Jagdgesellschaft. Mit Prinz Constantin

begab er sich deshalb auf die Wartburg, wo die beiden das

Wochenende verbrachten und „viele Drollerey“ zusammen hatten.

Goethe schreibt an Charlotte von Stein von „bösem Wetter“ und

dass er trotzdem in den Felsen umhergestiegen sei. Als Jagdgäste

hatte Carl August die ihm etwa gleichaltrigen Herzöge von

Meiningen Karl August und Georg, von Gotha Ernst II. Ludwig und

den etwas älteren von Coburg-Saalfeld Ernst Friedrich eingeladen.

Daß er mit diesen fünf Herzögen nicht die „beste Conversation“

machen könne, lässt Goethe in seinem Brief durchblicken und

auch, dass das Jagen “schweinisch“ werden würde. Ob er damit

das Erlegen von Wildschweinen meinte, oder damit seine

Abneigung gegen das herrschaftliche Jagdvergnügen überhaupt

umschrieb, bleibt für uns offen. Obwohl der junge Wolfgang

wahrscheinlich schon in Frankfurt mit der Jagd vertraut geworden

war, nahm er erst in der Gesellschaft von Carl August an Hasen-

und Wildschweinjagden teil. Dabei war ihm jedoch manches

zuwider und von den Exzessen der Jagd hielt er sich gern fern.

Es drängte ihn deshalb mehr in die Stadt zum Besuch bei der

Kaufmannsfamilie Streiber in der Judengasse [ab 1825 Karlstraße],

wo er Viktoria wiedersah. Am 17. September stieg er noch einmal

zur Wartburg hinauf, um dort zu essen. Abends besuchte er eine

„Comödie“, eine Theateraufführung, wahrscheinlich im

Gesellschaftshaus Clemda. Ob er Viktoria Streiber dahin führte,

wissen wir nicht. Goethe hatte eine abwechslungsreiche Woche

ohne die Last seiner Amtsgeschäfte in der Eisenacher Umgebung

und auf der Wartburg verlebt, freitags ging es „Zurück nach

Weimar“.

5. Mit unbekanntem Reiseziel nach Eisenach

von Volkmar Schumann

Was Herzog Carl August bewogen hat, an einem Herbstsonntag

1779 frühmorgens vom Schloß Ettersburg bei Weimar zu einer

Reise mit unbekanntem Ziel aufzubrechen, bleibt rätselhaft. Mit

ihm reisten sein Jugendfreund, Kammerherr und Oberforstmeister

Moritz von Wedel, der ‚neue’ Freund und gerade zum Geheimen

Rat ernannte Wolfgang Goethe, dessen Kammerdiener Philipp

Seidel, der Kammerdiener des Herzogs Konrad Wagner und der

Reitknecht Hermann Blochberg. Goethe hielt im Tagebuch fest,

dass man „nach Eisenach gefahren“ sei und „um halb 7 daselbst

angekommen, unsere Pferde kamen um ½ 9“.

Hier gingen der Herzog, Wedel und Goethe zum ranghöchsten

Beamten, dem Kanzler Johann Christian von Göckel, zum

Kammerpräsidenten Carl Christian von Herda und zum Vizekanzler

Ludwig von Bechtolsheim am Jakobsplan. Goethe „war bis 10 bey

Vicktorgen“ [Streiber, in der Judengasse] und dann „Nachts Krause

geschwätzt bis ½ 12 über Wthrs“ [Die Leiden des jungen

Werthers]. Unklar ist, ob er mit ‚Krause’ den Zeichenlehrer Georg

Melchior Kraus meint, von dem man nicht weiß, ob er an diesem

Tag in Eisenach war, oder ein ‚krauses’ Schwatzen im kleinen Kreis

über seinen epochemachenden Briefroman. Dieser erregte durch

die Gefühlsseligkeit seines Helden, dessen Naturandacht und

seiner Liebe zu natürlichen, unverbildeten Menschen die damalige

junge Generation, die in ein regelrechtes ‚Wertherfieber’ geriet. Es

hat deshalb wahrscheinlich einen widersprüchlichen Disput

gegeben und obwohl es mit der Nachtruhe spät wurde, ist Goethe

am nächsten Morgen bereits um sechs nach Creuzburg geritten,

um dort die durch einen Brand 1765 zerstörte Nikolaikirche zu

zeichnen. Durch Goethe ist somit ein Bilddokument der

Kirchenruine als bedeutsamer Beitrag zur Creuzburger

Heimatgeschichte überliefert worden.

Der Herzog und Wedel trafen erst gegen zehn in Creuzburg ein

und zu dritt ritt man weiter nach Bischhausen. Dort zeichnete

Goethe wiederum. Für den weiteren Weg „gefahren über  Helsa“

wurde offenbar die begleitende Kutsche genutzt, mit der die

Reisenden „Nachts 1 Uhr in Kassel“ eintrafen. Während des

dreitägigen Aufenthalts in Kassel, der mit verschiedenen Besuchen

und Besichtigungen ausgefüllt war, wurde auch der junge Georg

Forster aufgesucht und zum Mittagessen eingeladen, der mit

seinem Vater 1772-75 an James Cooks zweiter Forschungsreise in

der Südsee teilgenommen hatte. Goethe schrieb an Charlotte von

Stein, Forster sei „viel ausgefragt worden wies in der Südsee

aussieht“. Auf dem weiteren Reiseweg in Richtung Frankfurt wurde

dann beschlossen, nicht nach Düsseldorf, sondern in die Schweiz

zu reisen. Doch zuvor gab es am 18. September 1779 noch einen

Besuch am Hirschgraben in Frankfurt, wo Goethes Eltern den

geliebten Sohn nach fast vier Jahren erstmals wieder freudig

begrüßen konnten.

6. Goethe im Süden des eisenachischen Landesteils

von Volkmar Schumann

Das Städtchen Ostheim vor der Rhön, 20 km südwestlich von

Meiningen, in einer Exklave des Herzogtums Sachsen-Weimar-

Eisenach inmitten würzburgischen Territoriums gelegen,  wurde

damals von Eisenach aus regiert. Noch heute erinnern am

ehemaligen Amtshaus Tafeln an die amtliche Zugehörigkeit zu

Eisenach. Fünfzehn Jahre nach seiner Regierungsübernahme

wollte Herzog Carl August diese im äußersten Süden seines

Herrschaftsbereichs gelegene Exklave kennen lernen und deshalb

ritt er im September 1780 mit Goethe und einigen Vertrauten von

Ilmenau aus dorthin. ‚Rhönbereisung’ ist diese dreiwöchige

herzogliche Besuchsreise benannt worden.

Goethes Tagebuchnotizen und Briefe geben wieder, was ihm dabei

begegnet ist und was ihn beeindruckt hat. “Morgen werde [ich]

auch mein geliebtes Dorf Malbers [Melpers] zu sehen kriegen“

schreibt er an Charlotte von Stein. Aus diesem kleinen Ort

zwischen Kaltennordheim und Ostheim waren mehrmals

Bittschriften nach Weimar geschickt worden, die Goethe zu

bearbeiten hatte, worauf das Geheime Consilium schließlich eine

Kapital-stundung und einen Zinserlaß für den Schultheißen

beschloß.

Er begeistert sich am vulkanischen Gestein der Rhön in einem

Brief an Merck: „ ... Vulkans entdeckt, einen ungeheuern Krater,

Asche, Schörlkrystallen drinne, Lavaglas, Lava, Tarassteine, und

alle Sorten von Basalt“.

Zur Ankunft der hohen Herrschaften hat sich in Ostheim „alles

ausgeputzt und in eine Reihe gestellt“. Die von einem englischen

Landwirtschaftsexperten, George Batty, durch Drainage erreichten

Wiesenverbesserungen „bey drey Dorfschafften“ wurden

angesehen und belobt, aber Wolken und Nebel verhüllten die

Rhönberge. Aus Ostheim schreibt er an Lavater, dem Züricher

Schriftsteller und reformierten Prediger, sein angestrebtes

Lebensziel sei, „ die Pyramide meines Daseyns ... so hoch als

möglich in die Lufft zu spitzen ...“

Nach viertägigem Aufenthalt reitet die Reisegesellschaft nach

Meiningen, dort am Hof sind dem bürgerlichen Goethe „ ... Die

ersten Paar Tage sauer geworden, ... iezt aber geht’s besser“,

denn es begann eine Woche, die Goethe „... im Gefolg unsrer

Fürsten ... auf der Straße, bey Tische, beym Tanz und soweiter

hingebracht ...“  hat. Die Fürsten waren Carl August und Constantin

von Weimar, Georg und Karl August von Meiningen, Ernst II. von

Gotha und Ernst-Friedrich von Coburg-Saalfeld. Fast alle noch im

jugendlichen Alter. Über diese sechs Tage des Zusammenseins mit

den Fürsten gibt es keinerlei Notizen von Goethe, nur aus späteren

brieflichen Äußerungen lässt sich ableiten, dass er mit ihnen sehr

erlebnisreiche Tage verbracht haben muß; in Eisenach und auf der

Wartburg, wo er „... nur Eine Nacht ...“ war, wohl auch in Ruhla.

An Maria von Branconi, der langjährigen Mätresse des Erbprinzen

Ferdinand von Braunschweig, die von Goethe als ‚überschön’

betrachtet wurde, schrieb er über diese Tage von „ ... tausend

Einfällen, Empfindungen, Bemerkungen, Geschichten und

Vorfällen ... „ und zusammenfassend: „ ... Der Verlauf vom 27.

September allein würde einen starcken Band machen ...“. Was

mag sich alles dahinter verbergen?

7. Goethe zur Jagd in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Ein Jäger vor dem Herrn war Goethe nicht, aber mit Pulver und

Blei muß er schon als Sechsundzwanzigjähriger umgegangen sein,

sonst hätte sein Diener Philipp Seidel 1775 nicht Ausgaben für

‚Pulver und Schrot’ festgehalten. Erst in Weimar dürfte er mit dem

fürstlichen Jagdvergnügen mehr und mehr bekannt geworden sein.

Herzog Carl August war ein leidenschaftlicher Jäger, regelmäßig

verschaffte und gönnte er sich und seiner höfischen Umgebung

dieses Vergnügen. So auch im Winter 1781 in Wilhelmsthal.

Goethe traf am Abend des 8. Dezember in Eisenach ein, es war

aber zu spät, um noch nach Wilhelmsthal zu fahren. Als er am

nächsten Tag dorthin kam, brach der Herzog gerade zu einem

Sonntagsbesuch bei dem seit Herbst verheirateten Landgrafenpaar

Adolf von Hessen-Philippsthal-Barchfeld und Wilhelmine von

Sachsen-Meiningen im Schloß Barchfeld auf und Goethe folgte

ihm. Dort fand er es jedoch trotz der fühlbaren Harmonie des

jungen verliebten Paares langweilig und ihm kam der Gedanke, er

müsse „spielen lernen“, um solche Stunden zu ertragen. Am Abend

des nächsten Tages ist er erneut in Eisenach und schreibt einen

langen Brief an Charlotte von Stein. Darin versichert er ihr wieder

seine Liebe und dass er sich in Eisenach „von allem losgemacht“

habe, um ihr seine Gedanken mitteilen zu können. Er berichtet,

dass er Josias von Stein, Charlottes Ehemann, gefällig sein kann.

Das bezieht sich womöglich auf die Bereitstellung von Pferden und

Kutschen, die für den Verkehr zwischen Eisenach und

Wilhelmsthal in diesen Tagen verstärkt gebraucht werden und

wofür der Oberstallmeister verantwortlich ist. Mit Genugtuung

schreibt er von der Gunst, die ihm am Gothaer Hof zuteil geworden

ist und beklagt sich über die „öffentliche Gleichgültigkeit der

unsrigen“, was er auf sein passives Wesen und seine

„Eingezogenheit“ zurückführt. Er kritisiert, dass der Herzog bei

Frost in der „Wildniss“  achtzig Menschen füttert und damit

schmarotzende Edelleute aus der Nachbarschaft unterhält, die es

ihm nicht danken. Er findet „den Spas zu theuer“.  Bis zum 13.

Dezember ist Goethe dann noch in Wilhelmsthal. Er will seiner

„Beichtigerinn“ in Weimar vieles erzählen, „einen rechten Arm voll

moralischer und politischer Geheimnisse“. Erfreut hat er sich in

diesen acht Tagen an einer italienischen Übersetzung seines

„Werther“, gearbeitet hat er an seinem Egmont-Drama. Aus

Eisenach kündigt er am Freitag,14. Dezember seine Rückkehr an.

8. Goethe mustert in Eisenach Rekruten

von Volkmar Schumann

In seiner Eigenschaft als Vorsitzender der herzoglichen

Kriegskommission reiste Goethe durch das Herzogtum und nahm

an Rekrutenaushebungen teil. Am Nachmittag des 2. April 1782

traf er in Eisenach ein, wo ihn „die Sorgen wie hungrige Löwen“

anfielen. Über seine Erlebnisse bei der schonungslosen

Tauglichkeitsuntersuchung junger Männer für den Armeedienst in

Eisenach, Creuzburg, Gerstungen, Berka an der Werra, Tiefenort,

Kaltennordheim und Ostheim schweigt sich Goethe aus. Auf 

Notizen im Tagebuch können wir nicht zurückgreifen – er hat im

April 1782 kein einziges Wort aufgeschrieben. Aus Briefen an

Charlotte von Stein ist nur weniges zu entnehmen, darin verwendet

er den Ausdruck ‚Menschenklauberei’ und aus Äußerungen

anderer wissen wir, dass ihm dieses Aushebungsgeschäft sehr

zuwider war. Wie es dabei zuging, hielt er auf einer Bleistift-

zeichnung fest, die in Apolda bei einer ‚Aushebung’ vier Wochen

zuvor entstanden ist.

In Eisenach besucht er den Vizekanzler Ludwig von Bechtolsheim

und dessen geschätzte, schöngeistige Frau Julie. Dort „hab ich viel

gegessen“ schreibt er. Zugleich mokiert er sich darüber, dass in

Eisenach ein mehr genießender Geist herrscht als in Weimar und

aus Creuzburg beklagt er das „kümmerliche Wesen“ der

Menschen. Damit meint er die Armut. Es bedrückt ihn, dass er mit

der oberen Schicht „vor so vielen tausenden“ begünstigt ist. Über

Gerstungen und Berka gelangt er am 6. April nach Tiefenort, führt

lange Gespräche mit George Batty über die Landwirtschaft und

steigt am nächsten Tag auf die Kraienburg hinauf, um dort die

Ruinenreste der alten Burg zu zeichnen. Nach einem Besuch beim

Landgrafenpaar in Barchfeld ritt er nach Zella bei Dermbach, wo er

sich beim jungen katholischen Probst von Warnsdorf  angemeldet 

hatte. Er fand ihn „gefällig, offen, unbefangen“ und lebhaft

unterhielten sich beide über Fulda, Würzburg, Bamberg und Mainz

wobei Goethe feststellt, dass „die Verfassung dieser Provinzen“ 

andere Menschen bildet als im heimatlichen Weimar. Nirgendwo

berichtet er von seinen ‚amtlichen’ Erlebnissen während dieser

Tage, er ergeht sich in innigen Liebesbeteuerungen an Charlotte

von Stein. Davon sind die Briefe voll. Am vorletzten Tag seiner

Dienstreise durch den eisenachischen Landesteil schreibt er ihr

aus Ostheim: „... ich bin ... immer bey dir und immer mit dir

beschäftigt.“  Am gleichen Tag wird für ihn in Wien von Kaiser

Joseph II. der Adelsbrief ausgestellt und er darf sich nunmehr „von

Goethe“ nennen, was ihm künftig das Auftreten in der

aristokratischen Gesellschaft erleichtern wird.

Am 11. April 1782 fährt oder reitet er von Ostheim nach Meiningen.

9. Goethe zu vertraulichem Gespräch in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Seit 1777 waren unter Herzog Carl August die Schloßgebäude in

Wilhelmsthal zielstrebig instandgesetzt und die barocke

Parkanlage durch den Hofgärtner Johann Conrad Sckell in einen

großzügigen Landschaftspark nach englischem Vorbild umgestaltet

worden. Aus dieser Zeit stammt die zwar beschädigte aber noch

vorhandene Brunnenanlage mit der liegenden Figur einer

Wassernixe und mit wasserspeienden Delphinen. Wilhelmsthal war

wieder zur beliebten Sommerresidenz des Weimarer Hofes

geworden. „Wir sind in Wilhelmsthal“  schreibt der nunmehr

geadelte Goethe am 16. Juni 1783 und zugleich, dass der

Geheimsekretär und Schatzmeister der Herzoginmutter Johann

August Ludecus bereits anwesend sei. Es wird auf Prinz

Constantin, den um ein Jahr jüngeren Bruder des Herzogs,

gewartet, dessen lockerer Lebenswandel während seiner

Kavalierstour nach Zürich, Paris und London für Turbulenzen am

Weimarer Hof sorgte. Mit einer junge Französin reiste er in

Deutschland umher, versah sie in Eisenach mit einem

Empfehlungsschreiben und schickte sie allein nach Weimar. Dort

wollte man sie nicht aufnehmen und Goethe erhielt den delikaten

Auftrag, für die Rückreise der Unwillkommenen nach Paris zu

sorgen. Sein treuer Diener Philipp Seidel begleitete Madame

Darsaincourt Mitte Juli schließlich dorthin.

Wahrscheinlich ging es in vertraulichen Gesprächen um diese

Affäre und um den weiteren Umgang mit dem Prinzen, denn

Goethe schreibt von „Verworrenheit des Prinzen“ und von „Knoten

die mit Geduld gelöst werden müssen“. Er teilt seiner

Seelenfreundin in Weimar aber auch mit, dass er mit dem Herzog

„über viel Dinge gar gut gesprochen“ habe, dass er gezeichnet

habe und ein Kapitel zu seinem Bildungsroman ‚Wilhelm Meister’

fertig geworden sei. Trotz der umgebenden Natur war ihm diesmal

der Aufenthalt in Wilhelmsthal nicht angenehm, auch weil „Nebel

und Feuchtigkeit durch Berge, Wälder und Wohnung“ drangen. Für

den 19. Juni kündigte Goethe seine Abreise aus Wilhelmsthal an.

10. Bedrückende Pflichten und emsiges Forschen in Eisenach

von Volkmar Schumann

Johann Wolfgang von Goethe – 1784 war er mit amtlichen

Pflichten überhäuft: Bergwerks-kommission, Kriegskommission,

Wegebaukommission, Diplomatische Missionen an thüringischen

Höfen, Präsidium der Kammer [Finanzverwaltung] und schließlich

wurde er in Eisenach damit beauftragt, in einer weiteren

Kommission Steuerverfehlungen in Ilmenau zu untersuchen.

Am Mittwoch, 2. Juni 1784 war der Weimarer Hof nach Eisenach

gekommen. Es

wird deshalb reges Treiben im Schloß geherrscht haben. Mit dem

jüngsten Sohn seiner Seelenfreundin, dem zwölfjährigen Fritz von

Stein, traf Goethe erst sonntags ein. Abends wurde ein Konzert

besucht und Goethe speiste mit an der Hoftafel, was ihm nunmehr

als Adligem gestattet war. Ihn erwarteten in den nächsten Tagen

brisante Verhandlungen mit dem Landausschuß und Beratungen

im Geheimen Consilium. Diesmal wohnte Goethe nicht im Schloß,

er hatte sich bei der verwitweten Kommerzienrätin Cramer in der

Georgengasse einquartieren lassen, wo auch Zusammenkünfte mit

dem Deputierten der ‚Landschaft’ Friedrich von Wangenheim aus

Lauchröden stattfanden. Bei den brisanten Verhandlungen und

Beratungen ging es um die Übernahme von Kammerschulden und

von Pensionen für verabschiedete Offiziere und Soldaten, es ging

um eine Reduzierung des eisenachischen Truppenkontingents

überhaupt. Maßnahmen zur Bewachung der Wartburg und zu

deren weiterer Erhaltung wurden festgelegt. Für umfangreiche

Erneuerungsarbeiten an der Burg fehlte jedoch das Geld. Zu

seinen amtlichen Aufgaben gehörte ein Ritt mit dem

Landkommissar Batty, um ein Kammergut zu inspizieren

(wahrscheinlich war es der Trenkelhof), wobei Goethe von der

reichen und schönen Gegend schwärmt.

In seinen freien Stunden beschäftigte sich Goethe mit

naturwissenschaftlichen Studien, zunächst mit der Untersuchung

eines Elefantenschädels, der ihm aus Kassel leihweise überlassen

worden war. An diesem erbrachte er den Nachweis der

selbstständigen Existenz eines Zwischenkieferknochens bei allen

Tieren. In der freien Natur erkundete er die geologische Struktur

der felsigen Umgebung bis hinein in den Thüringer Wald. Der von

ihm und dem Herzog geförderte Bergrat Johann Karl Wilhelm Voigt

war bereits in den Tagen zuvor umhergeritten, hatte sich das

Felsengebiet zu Füßen der Wartburg angesehen, besuchte Ruhla

und hielt in seiner ‚Mineralogischen Reise durch das Herzogtum

Weimar und Eisenach’ fest, was ihm am unterschiedlichen felsigen

Gestein und an den noch von reger bergmännischer Tätigkeit

zeugenden zahlreichen Stollen bemerkenswert schien. Erst vier

Jahre zuvor war der Abbau von Steinkohle in der ‚Öhrenkammer’

eingestellt worden. Mit diesem Fachmann an der Seite ritt Goethe

ins ‚Ruhlaer Gebirge’. Vom Meisenstein aus erspähten sie sich

einen Weg auf den Inselsberg, auf den Goethe mit wenigen

Begleitern am letzten Tag seines fünfwöchigen Aufenthalts in

Eisenach hinaufritt und wo die kleine Gesellschaft nach später

Ankunft auf dem Gipfel in einem ‚geräumigen Salon’ auf einem

’Lager von grünem Tannenreiß’ nächtigte. Der Herzog war diesmal

nicht mit von der Partie, er besuchte in Thal den ‚Wunderdoktor’

Johannes Hornschuh und erhoffte sich von ihm die Linderung

seiner körperlichen Leiden. Am 9. Juli schreibt Goethe in seinem

letzten Brief aus Eisenach an Charlotte von Stein, dass er gleich

von Erfurt aus zu ihr – nach Großkochberg - kommen wolle.

11. Sommerwochen in Wilhelmsthal und Ruhla

von Volkmar Schumann

Im Juli 1789 teilt Goethe dem Kammerpräsidenten Carl Christian

von Herda in Eisenach mit, daß Herzog Carl August demnächst in

Wilhelmsthal eintreffen werde und er ihn dort mit dem

sechsjährigen Erbprinzen Carl Friedrich ‚überraschen‘ wolle.

Allerdings sorgt er sich, denn er hatte gehört ‚in jener Gegend

seyen gegenwärtig die Masern‘.

Mitte Juli brach dann die Französische Revolution aus, erst sechs

Jahre später sprach Goethe von einer ‚Vorahndung des

Zukünftigen‘, die ihm damals gekommen sei, vom ‚Unheil der

französischen Staatsumwälzung‘.

Trotz der Bedenken wegen der Masern signalisiert er dem

Kammerpräsidenten von Herda sein Kommen mit dem Erbprinzen,

dessen Erzieher Cornelius Rudolph Ridel und mit dem

dreizehnjährigen August Herder am 24. Juli: „… Wir nehmen das

freundschaftlich angebotene Abend Essen mit Danck an und

werden wohl erst gegen Abend eintreffen… „

Er wollte mit dem Herzog und den Kindern ‚in den Thüringischen

Wäldern gute Stunden finden‘ wie er der Herzoginmutter Anna

Amalia schrieb, die in Italien war.

In Wilhelmsthal spricht er mit dem Herzog über die finanzielle

Besserstellung Herders, dem durch eine Berufung nach Göttingen

dort höhere Einkünfte in Aussicht gestellt sind. In diesen drei

Sommerwochen beschäftigt er sich mit der Formung eines Jupiter-

Profils aus weichem Wachs, das er nach Weimar mitbringen will,

arbeitet an den letzten beiden Akten des Schauspiels ‚Torquato

Tasso‘, aber auch an ‚erotischen Späßen‘, gewiß in Erinnerung an

seine junge Geliebte Christiane Vulpius, die im fünften Monat

schwanger ist.

Ausflüge in die Umgebung führen nach Untersuhl, wo die

ungewöhnliche Architektur der Rundkirche ihn und den Herzog zu

der Spekulation veranlaßt, ob diese vielleicht ‚in die Mauern eines

römischen Grabmals gebauet ist‘ und in den damaligen

Manufaktur- und Badeort Ruhla. „Hier sind wir in dem Lande der

berühmten Bergnymphen und doch kann ich dir versichern, daß ich

mich herzlich nach Hause sehne, meine Freunde und ein gewisses

kleines Eroticon wieder zu finden …“ schreibt er am 10. August an

Herder aus Ruhla. Der  Kammerrat August Anton von Göchhausen

aus Eisenach begleitet ihn auf den bergigen Wegen in der

Umgebung des Ruhlaer ‚Brunnenhauses‘ und es wird erwogen,

eine ‚Promenade‘ anzulegen, um vom Forsthaus bequemer auf

den Berggipfel zu gelangen.

Goethe will eine Zeichnung für einen kleinen hölzernen Pavillon auf

dem Gipfel beschaffen.

Der Eisenacher Arzt und Bergrat Johann Christian Heusinger

untersucht im Beisein des Herzogs, Goethes, von Herdas und von

Göchhausens das Ruhlaer ‚Stahlwasser‘ und bestimmt dessen

mineralogische, die Gesundheit förderenden Bestandteile. Ruhla

wurde für etwa zwanzig Jahre zu einem beliebten Badeort mit

jährlich bis zu 1500 Badegästen.

Mit dem Herzog verließ Goethe am 15. August 1789 Wilhelmsthal

und reiste nach einem Besuch beim Gothaer Herzog Ernst II.

zurück nach Weimar.

12. Goethe beim Herzogspaar in Wilhelmsthal

von Volkmar Schumann

Anfang Juli 1791 fragt Goethe beim Herzog an ‚ob es erlaubt ist

Sie in den Wäldern und an den Heilsamsten Quellen aufzusuchen‘.

Gemeint sind damit die Sommerresidenz Wilhelmsthal, wo sich

Carl August und die Herzogin Luise bereits seit Mitte Juni aufhalten

und der aufstrebende Badeort Ruhla mit seinem heilsamen

Brunnenwasser, das zwar in seiner Qualität dem Liebensteiner

etwas nachsteht, aber trotzdem viele Gäste zur Wasserkur anzieht.

Dem Regierungsrat Christian Ernst von Bentzel-Sternau teilt er am

10. Juli mit: „… Ein Brief Serenissimi heißt mich nach Eisenach

eilen …“ und bereits einen Tag später sitzt er abends an der

fürstlichen Tafel in Wilhelmsthal. Dem befreundeten Herzog trägt er

wahrscheinlich seine Theorien zur Farbenlehre und zur Optik vor,

Wissenschaftsgebiete, mit denen er sich in diesem Sommer

eingehend befaßt. Gewiß ist mit dem Herzogspaar auch über die

Fortschritte beim Schloßbau in Weimar sowie über die gerade erst

vom Weimarer Hoftheater in Lauchstädt erworbenen Gebäude,

Ausstattungen und die Spielkonzession gesprochen worden.Ab

1791 spielten  Weimarer Schauspieler in den Sommermonaten

dort regelmäßig ihr Repertoire, wobei die Einnahmen dem

Hoftheater zuflossen.Vermutlich besucht Goethe in diesen Tagen in

Eisenach die Gartenanlagen des Kaufmanns Christian Friedrich

Röse, denn dieser schickt ihm ein paar Wochen später ‚ … in

beifolgender Schachtel die  versprochne Gras Blumen Pflanze,

davon das Kraut ganz monströs gewachsen …‘. Goethe sah darin

ein weiteres Beispiel für seine Lehre von der Metamorphose der

Pflanzen.

Am 18. Juli verläßt Goethe Wilhelmsthal in Richtung Gotha, wo er

noch bis Monatsende bleibt, weil er sich dort ‚des physikalischen

Apparats mit großem Nutzen‘ bedienen kannar.

13. Goethe fährt durch Eisenach nach Frankreich

von Volkmar Schumann

In einer leichten böhmischen Halbchaise verläßt Goethe am 8.

August 1792 Weimar, um auf Verlangen seines Herzogs am

Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich teilzunehmen. Zwei

Tage später kommt er durch Eisenach, wo er mit ‚... Selterwaßer

und Wein, … Braden und Brod …‘ bewirtet wurde. Voller

Siegeszuversicht ziehen preußische, hessische und

österreichische Truppen gemeinsam mit französischen

Emigranten, die ihre ehemaligen Besitzungen zurück erobern

wollen, gen Westen. Auch Goethe erliegt dem hoffnungsvollen

Optimismus, der alle beseelt.

Aus dem Lager bei Verdun schreibt er am 10. September an

Christiane: „… In Paris wird’s Allerley geben…“.  Die wechselnden

Stimmungen, denen der Dichter und nunmehrige

Kriegsberichterstatter unterliegt, kann man aus seinen zahlreichen

Briefen herauslesen.

Der Vormarsch der Koalitionsarmee unter Führung des Herzogs

Ferdinand von Braunschweig wird jedoch nicht nur durch das

anhaltende miserable Herbstwetter in der Champagne, mehr noch

durch den Kampfgeist der ungenügend organisierten

republikanischen französischen Revolutionsarmee zum Stehen

gebracht. Die ‚Kanonade von Valmy‘ am 20. September 1792

beendet den beabsichtigten Marsch nach Paris.

Nach achtundzwanzig Jahren verarbeitet Goethe in der ‚Kampagne

in Frankreich‘ seine Erlebnisse auf diesem Feldzug literarisch, aber

meisterhaft stellt er diese so dar, als ob sie sich erst vor kurzem

ereignet hätten. Voller Lebendigkeit schildert er die Dramatik der

‚Kanonade von Valmy‘: „… die Kugeln schlugen dutzendweise vor

der Eskadron nieder, […] Kot aber und Schmutz bespritzte Mann

und Roß; die schwarzen Pferde, von tüchtigen Reitern möglichst

zusammen gehalten, schnauften und tosten; die ganze Masse war,

ohne sich zu trennen oder zu verwirren, in flutender Bewegung.

[…] In dem ersten Gliede der Eskadron schwankte die Standarte in

den Händen eines schönen Knaben hin und wieder, er hielt sie

fest, ward aber vom aufgeregten Pferde geschaukelt; sein

anmutiges Gesicht brachte mir […] in diesem schauerlichen

Augenblick, die noch anmutigere Mutter vor die Augen, und ich

mußte an die ihr zur Seite verbrachten friedlichen Momente

gedenken. […] Endlich kam der Befehl, zurück und hinab zu gehen

…“.

Bei der ’anmutigen Mutter‘ und dem ‚schönen Knaben‘ handelt es

sich um Julie von Bechtolsheim, Frau des Kanzlers und

Oberkonsistorial-Präsidenten Ludwig von Mauchenheim gen.

Bechtolsheim in Eisenach und deren damals siebzehnjährigen

Sohn Carl Emil, der als Fahnenjunker im Kürassierregiment des

Herzogs diente.

Goethe flieht mit allen anderen ostwärts und nimmt den Rückweg

über Düsseldorf, Münster, Paderborn und Kassel, wo er sich

jeweils ein paar Tage aufhält.

Von Kassel fährt er über Helsa, Bischhausen, Lüderbach, Eisenach

nach Weimar und trifft am 16. Dezember bei Christiane und dem

fast dreijährigen Söhnchen August ein.

14. Überraschender Besuch in Eisenach

von Volkmar Schumann

„Goethe ist endlich heute doch noch zum Herzog abgereist …“ mit

diesen Worten kommentiert Karoline Herder am 12. Mai 1793 die

widerwillige Abreise Goethes in das Militärlager Marienborn, von

dem aus die Belagerung des von Franzosen besetzten und

republikanisch gewordenen Mainz befehligt werden soll. Doch für

die Reise dahin nimmt er sich Zeit. Überraschend trifft er am 15.

oder 16. Mai bei Julie von Bechtolsheim am Jakobsplan in

Eisenach ein, die den Besuch in einem Briefgedicht

folgendermaßen schildert: „Ein Fremder meldet sich, tritt ein, und

siehe da!/Auf einmal war mir Goethe nah …/Nun wandelt ich mit

ihm zum Garten,/Im halben Traum, ob‘s Wahrheit sey, im

Glück/Des Wiedersehns hinschwebend, und wir harrten/Auf einen

schönen Sonnenblick./Doch dieser schien verbannt auf immer:/Ein

Nordwind wies ins öde Zimmer/Zu unserm Mißmut uns zurück …“

Dort wandte sich das Gespräch den politischen Zeitereignissen zu

und weil sich Julie von Bechtolsheim diesem nicht gewachsen

fühlte,  begann sie, von den Gedichten eines mit ihr bekannten

Advokaten zu erzählen. Wenige Wochen danach schreibt Goethe

ihr aus Marienborn: „Meine werte Freundin würde mir vielleicht in

diese wilden und verworrenen und außerdem noch kalten und

feuchten Zustände ein freundliches Wort senden und mich

auferbauen und erquicken […] Ich pränummeriere also durch

gegenwärtiges Blatt auf ein künftig freundliches und liebeliches, mit

der Versicherung, daß der liebe Sohn sich wohl und munter in

seinem Berufe und der Freund ganz leidlich außer seinem Berufe

findet.[…]“ Den siebzehnjährigen Fahnenjunker Carl Emil von

Bechtolsheim hat er demnach im herzoglichen Regiment

angetroffen, das Mainz mit belagert. Am 22. Juli kapitulierte die

französische Besatzung von Mainz, Goethe erlebte unmittelbar das

daraufhin eintretende Chaos und schilderte es eindrucksvoll in

seiner autobiografischen Abhandlung ‚Belagerung von Mainz‘.

Nach Aufenthalten in Wiesbaden, Mannheim, Heidelberg und

Frankfurt, wo er seine Mutter besuchte, traf Goethe am 23. August

wieder in Weimar ein.

15. Goethe eine Woche in Eisenach

von Volkmar Schumann

Eigentlich soll Goethe im Oktober 1795 nach Frankfurt reisen, wo

sich das Hauptquartier des preußischen militärischen

Schutzkordons befindet. Das und die Vorgänge auf dem

Kriegsschauplatz im Rhein- Maingebiet soll er im Auftrag des

Herzogs beobachten. An Christiane schreibt er am 13. Oktober:

„Nur soviel, mein liebes Kind, daß ich in Eisenach bin und wohl so

bald nicht fortkomme; ich hatte nicht ohne Grund gesorgt, denn die

Österreicher sind mit 60 tausend Mann über den Main gegangen

und werden sich wohl um Franckfurt herum mit den Franzosen

balgen.“

Er bleibt beim Herzog in Eisenach und schreibt am gleichen Tag an

Schiller: „Noch bin ich hier und werde wohl noch erst abwarten was

aus den Dingen werden will eh ich meine Reise weiter fortsetze.

[… ] In ein solches Gewirre möchte ich von heiler Haut mich nicht

hineinbegeben, da ich dergleichen anmuthige Situationen schon

kenne.“

Herzog Carl August befreit ihn von der unliebsamen Reise, hält ihn

jedoch bis zum Abschluß eines Vertrages über das Ilmenauer

Hammerwerk in Eisenach zurück.

Diesen ‚stillen‘ Aufenthalt in Eisenach nutzt Goethe, um einen

umfangreichen Aufsatz der Madame de Stael ‚Versuch über die

Dichtungen‘ völlig zu übersetzen, an seinem Roman ‚Wilhelm

Meisters Lehrjahre‘ weiter zu arbeiten und eine Vortragsreihe für

die ‚Freitagsgesellschaft‘ in Weimar vorzubereiten.

In Weimar und auch in Eisenach haben französische adlige

Emigranten Asyl gefunden. Einem von ihnen, dem Grafen

Dumanoir, der monatelang auch häufiger Gast an der fürstlichen

Tafel des Herzogs ist, begegnet Goethe ‚in Eisenach vergnügt auf

der Straße‘. Er kennt  ihn als den am ‚meisten Gebildeten‘ unter

den Emigrierten, wegen seines tüchtigen Charakters und reinen

Menschenverstandes. Umso mehr verwundert sich Goethe, daß

der Graf aus der Frankfurter Zeitung ‚Günstiges‘ für die

Angelegenheiten der Emigranten herausgelesen haben will.

Goethe findet nichts Derartiges in der Zeitung und stellt eine

‚Verfinsterung des Urteils‘ bei dem von ihm geschätzten Grafen

fest, der mit allen anderen Emigranten auf die Wiederherstellung

der alten Herrschaftsverhältnisse in Frankreich hofft.

Am 16. Oktober schreibt er aus Eisenach an Christiane: „Du

kommst um den Muff und das Kind um die Pelzmütze, denn ich

gehe nicht nach Franckfurt …“

Nach dem einwöchigen Aufenthalt verläßt er Eisenach und begibt

sich zunächst nach Gotha an den herzoglichen Hof.

16. Familie Goethe in Eisenach

von Volkmar Schumann

Mit dem elfjährigen August fährt Goethe Anfang Juni 1801 über

Erfurt, Gräfentonna, Langensalza, Mühlhausen, Dingelstädt,

Heiligenstadt, Bremke nach Göttingen. In der beliebten

Universitätsstadt wird Goethe durch ‚ein dreifaches öffentliches

Lebehoch‘ begeisterter Studenten begrüßt. Vater und Sohn

durchstreifen Stadt und Umgebung, sehen sich in der

Universitätsbibliothek und im Museum um, besuchen ansässige

Professoren, Wissenschaftler und Persönlichkeiten. Am 12. Juni

geht die Reise weiter über Einbeck und Grohnde  in das 

niedersächsische Bad Pyrmont. Durch eine vierwöchige Trink- und

Badekur will Goethe nach schwerer Erkrankung endgültig

genesen. An Christiane schreibt er: „… August ist sehr glücklich.

Das lange schlafen, spazieren gehen, ein wenig Wasser trinken,

Kirschen und Erdbeeren essen, baden usw. bekommt ihm

fürtrefflich …“. Er hat mit ihr vereinbart, daß sie ihm auf seinem

Rückweg von der Kur bis Kassel entgegen kommt: „ … Ich

wünsche daß du Sonnabend d. 15. August in Cassel eintreffest, ich

werde an demselbigen Tage auch anlangen. Du kehrst im

Posthause am Königsplatz, bey Mad. Goullon ein …“

Fünf Tage bleibt er mit ihr, August und dem Kunstprofessor

Heinrich Meyer, der Christianes Begleiter war, zur Besichtigung

aller Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Freitags früh um vier reisen

sie von Kassel ab. Durch Helsa, Walburg, Harmuthsachsen und

Waldkappel kommen sie mittags nach Hoheneiche. Dort zeichnet

Goethe die Kirche. Abends treffen sie in Creuzburg ein, wo

übernachtet wird. Frühzeitig am nächsten Tag bricht man zur nahe

gelegenen Saline Wilhelmsglücksbrunn auf. Seit einem Jahr leitet

der junge Bergmeister Wilhelm Schrader den Salinenbetrieb. Um

die Salzgewinnung zu sichern und zu verbessern hat er dem

Herzog in Weimar verschiedene Rekonstruktionsvorschläge

gemacht, die Goethe zu bearbeiten hatte. Nun will er sich vor Ort

vom Stand der Arbeiten überzeugen. Aber lange kann der Besuch

bei Schrader nicht gedauert haben, denn vormittags um zehn ist

die Reisegesellschaft bereits in Eisenach. In Goethes Tagebuch

finden sich nur wenige Notizen. Vielleicht gab es einen

Spaziergang durch die Stadt. Am Abend steigen die vier noch auf

die Wartburg und auf den Metilstein, sehen sich die Röse’schen

Anlagen an. Goethe erinnerte sich dabei ‚früherer Zeiten‘. In

Eisenach ist zu der Zeit als Regierungsbeamter Carl von Schardt

tätig, ein Bruder der Charlotte von Stein. Ihn besucht man noch am

späten Abend.

Ein sonntäglicher Ausflug führt die Familie nach Wilhelmsthal und

nach Ruhla.

Übernachtet wird wieder in Eisenach, aber es ist nicht bekannt,

unter welchem Dach. Im Schloß kann es nicht gewesen sein, denn

Goethe lebte ja noch in ‚wilder Ehe‘ und deshalb war der Familie

dort der Zutritt verwehrt.

Am 24. August 1801 vormittags 10 Uhr verläßt die Kutsche mit der

Familie Goethe und Heinrich Meyer Eisenach.

17. Letzte Übernachtungen Goethes in Eisenach

von Volkmar Schumann

Im Juli 1814 reiste Goethe zur Kur nach Wiesbaden und blieb in

den Rhein- und Maingegenden bis zum Oktober. Auf der Hin- und

Rückfahrt übernachtete er in Eisenach und wurde ‚ … vom

Schloss-Voigt wohl empfangen …‘.

Bei der erneuten Reise in die Rhein- und Maingegenden ein Jahr

später übernachtete Goethe am 24. Mai 1815 ein letztes Mal in

Eisenach.

Nachweislich hat sich Goethe neunmal in Eisenach bzw. im nahe

gelegenen Wilhelmsthal aufgehalten, siebenmal hat er lediglich in

Eisenach übernachtet und zehnmal fuhr er durch die Stadt auf

seinen Reisen von West nach Ost und umgekehrt.

Im Zeitalter der Postkutsche war Goethe vorwiegend in

herzoglichen ‚Dienstkutschen‘, oft auch in privaten Mietkutschen

oder in einer leichten Chaise, einem Geschenk des Herzogs,

unterwegs. In jungen Jahren legte er auch weite Strecken reitend

zurück. Erst im Alter von fünfzig Jahren erwarb Goethe eine

schwere Reisekutsche, die er dann regelmäßig benutzte. Das

Reisen mit der Kutsche brauchte seine Zeit. Mit den nötigen

Pausen für das leibliche Wohl, für das Tränken und Füttern der

Pferde dauerte die Fahrt von Eisenach nach Fulda

mehr als zehn Stunden.

Literaturverzeichnis zur Artikelserie ‚Goethe in Eisenach‘

Goethes Werke  (Tagebücher und Briefe)

Weimarer Ausgabe, Hermann Böhlau Weimar 1887

Albrecht, Wolfgang

‚Hier wohn‘ ich nun, Liebste …‘; Schriften der Wartburgstiftung

Eisenach 1986

Bradish, Joseph A. von

‚Goethes Beamtenlaufbahn‘; B. Westermann Co. Inc., New York

1937

Damm, Sigrid

‚Christiane und Goethe‘, Insel-Verlag 1998

Langlotz, Kurt

‚Goethes Wirken in Westthüringen‘; Michael Triltsch Verlag

Düsseldorf 1958

Mauchenheim gen. Bechtolsheim, Hermann Frhr. von

Zusammenstellung der über die Familie der Freiherren von

Mauchenheim gen. Bechtolsheim bekannten Nachrichten.

Herausgegeben von Hubert Frhr. von Bechtolsheim 1998,

Privatdruck 2000

Oberndorff, Carl Graf

‚Erinnerungen einer Urgroßmutter‘; Berlin W. F. Fontane & Co.,

1902

Scheidig, Walther

‚Goethe und die Wartburg‘; Nationale Forschungs- und

Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar,

1966

Steiger, Robert/ Reimann, Angelika

‚Goethes Leben von Tag zu Tag‘; Artemis Verlag Zürich und

München, 1982 - 1996

Schmidt, Eva

‚Julie von Bechtolsheim‘; Herausgegeben von Hubert Frhr. von

Bechtolsheim

PlayAlpha-Verlag Rattenkirchen, 2002/2003

Vulpius, Wolfgang

‚Goethe in Thüringen‘; Greifenverlag zu Rudolstadt, 1968

Zastrau, Alfred

Goethe Handbuch, Band 1; J. B. Metzlersche

Verlagsbuchhandlung Stuttgart 1961

Neuer Vorstand gewählt

Am 8.2.2017 wurde im Rahmen der Jahreshaupt- versammlung der neue Vorstand gewählt.